DIE ZEIT

Verdun in Vietnam?

Wenn "Wall Street Journal" in einem Leitartikel feststellt, daß die Amerikaner nach der Logik des Schlachtfeldes in Vietnam gezwungen sein könnten, eine unhaltbare Position aufzugeben, so sagt das mehr als alle fadenscheinigen Siegesmeldungen der Generäle Wheeler und Westmoreland.

Die Tat der Weißen Rose

Während der Gedenkfeier für die vor fünfundzwanzig Jahren hingerichteten Geschwister Scholl in der Münchner Universität, an der zweitausend Studenten teilnahmen, sind die Reden des Historikers Professor Bussmann und des AStA-Vorsitzenden Danschacher durch Zwischenrufe und Sprechchöre einzelner Gruppen gestört worden.

Bannstrahl aus Bonn

Auf Antrag des Bundesministeriums für Familie und Jugend hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften den „stern“ vorläufig in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen.

Es brodelt auch in Italien

Wie in manchen anderen Ländern, so ist auch in Italien an den Universitäten der Teufel los. Die Universitäten Turin, Mailand, Pavia, Padua, Florenz, Pisa, Bologna, Rom, Neapel und Messina waren in den letzten Wochen von Studenten, und sind es zum Teil auch heute noch, besetzt.

ZEITSPIEGEL

Unter Ausschluß der Nicht-Berliner Öffentlichkeit möchte die Berliner Justiz den peinlichen Prozeß gegen Mitglieder der „Kommune 1“ wegen Aufforderung zur Brandstiftung zu Ende führen.

Minister mit dem Rechenstift

Ob seine Eltern jemand Bestimmten im Auge hatten, als sie ihrem Sohn Denis den zweiten Vornamen Winston gaben? Im Jahre 1917 war der Marineminister Churchill längst eine legendäre Figur.

In memoriam Pater Rochus

Rochus Spiecker, Doktor der Theologie und Mitglied des Dominikaner-Konvents in Köln, ist nach langer Krankheit im Alter von 46 Jahren gestorben.

Die Protestaktionen in Berlin haben die Öffentlichkeit erregt Das Für und Wider spiegelt sich in diesen Artikeln: Demonstration mit Nachhilfe

Westberlin feierte in der vergangenen Woche Fasching auf eigene Art. Den politischen Narren und Närrinnen gehörten Straßen, Plätze und Rednertribünen zu gefährlichem Treiben: Auf einen Vietnam-Umzug, dessen ernstes Anliegen sich hinter Parolen und Pappköpfen aus der revolutionären Requisitenkammer verbarg, folgte die Persiflage auf jenes Berlin, das zwanzig Jahre lang für "Freiheit und Frieden" stand.

Den Revoluzzern nicht gewachsen

Für die Demonstrationsfreiheit, die ein Teilgebiet des Grundrechts der Versammlungsfreiheit darstellt, hat man sich juristisch bisher nicht allzusehr interessiert.

Hat Amerika den Krieg provoziert?

Noch hat sich Amerika nicht völlig vom Schock der Vietcong-Offensive in Vietnam erholt, da wird die Nation schon wieder von neuen Zweifeln am Sinn dieses Krieges geplagt.

Freiheit ist mehr als Reis und Fisch

Unter den jungen Leuten, die sich hierzulande über Vietnam Gedanken machen, sind einige, die dazu besonders berufen sind: die dreihundert vietnamesischen Studenten, die an etlichen Universitäten der Bundesrepublik eingeschrieben sind.

Wolfgang Ebert:: Sterne für Studenten

Ihnen ist sicher aufgefallen, daß ich Sie neulich, als wir uns auf dem Kurfürstendamm trafen, nur verstohlen gegrüßt habe. Hoffentlich ist dadurch bei Ihnen kein falsches Bild von mir entstanden.

Wahlrecht unter der Lupe

Es steht zu hoffen, daß die Behandlung der Wahlrechtsfrage nicht symptomatisch für die künftige Arbeit der großen Koalition ist.

Rote Klausur am Donau-Ufer

Das sind unsere Genossen!" Schützend breitete der tschechoslowakische Parteisekretär Koucky seine Arme aus vor den Prager kommunistischen Journalisten, denen es gelungen war, genau fünf Meter weit in die Halle des Budapester "Gellert"-Hotels vorzudringen, wo sie sogleich von breitschultrigen Türhütern abgefangen wurden.

Langsam voran in Brüssel

Vor dem Pariser Treffen zwischen Staatspräsident de Gaulle und Bundeskanzler Kiesinger überwogen in Bonn die pessimistischen Prognosen; den Brüsseler Beratungen über die Möglichkeiten für einen Beitritt Großbritanniens und der vier anderen Länder zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sah man jedoch weniger skeptisch entgegen.

Fernsehen in der Schußlinie

Zu dem alten Vorwurf, das Fernsehen lasse sich in seinen politischen Sendungen zu sehr von der „Lust am Negativen“ leiten, ist in letzter Zeit ein neuer hinzugekommen: das Fernsehen biete der außerparlamentarischen Opposition, insbesondere den radikalen Studenten, zuviel Gelegenheit, ihre Ideen und Ziele zu propagieren; es berichte zu ausführlich über Studentendemonstrationen und -krawalle und sorge dadurch für die Verbreitung der Unruhe.

Von ZEIT zu ZEIT

In Budapest begann die Tagung kommunistischer Delegierter aus 66 Ländern zur Vorbereitung eines ‚roten Konzils“. Der Vertreter der rumänischen KP sprach sich bereits bei Beginn der Zusammenkunft für eine öffentliche Diskussion aus.

Scherbengericht in Berlin

„Berlin steht für Freiheit und Frieden.“ Unter diesem Motto trommelten Senat, Parteien, Gewerkschaften und Verbände am Mittwoch voriger Woche etwa 80 000 Menschen vor dem Schöneberger Rathaus zusammen.

Kampf um das „rote Konzil“

Im Budapester Hotel Gellert, dem besten am Platz, wurde am Montag vom ungarischen Parteichef Kadar die Konsultativkonferenz der kommunistischen Parteien eröffnet.

Lübke will Stellung nehmen

Während sich überall im Rheinland die Rosenmontagszüge formierten, machte sich Bonn bereits auf Katerstimmung gefaßt. Mit schweren Angriffen hatte die Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen ein klärendes Wort des Bundespräsidenten zu den Vorwürfen provozieren wollen, Lübke habe als stellvertretender Leiter der Baugruppe Schlempp im Zweiten Weltkrieg Baupläne für Konzentrations- und Zwangsarbeiterlager abgezeichnet.

Eban: UN soll vermitteln

UN-Generalsekretär U Thant hat seinen Sonderbeauftragten für den Nahen Osten, den schwedischen Diplomaten Gunnar Jarring, zur Berichterstattung nach New York gerufen.

Namen der Woche

Hans Rumpf (56), Direktor des Instituts für mechanische Verfahrenstechnik an der Universität Karlsruhe, wurde zum Präsidenten der Westdeutschen Rektorenkonferenz gewählt.

Prag – Asyl der Ausgestoßenen

Zwei Ereignisse haben in der jüngsten Zeit die Aufmerksamkeit breiterer Kreise auf das Schicksal der deutschen antihitlerischen Emigration gelenkt: der Luxemburger Kongreß der ehemaligen Emigranten und das sensationelle Auftauchen des Prager Exilarchivs der SPD aus den Jahren 1933 bis 1938 in Schweden.

Aus höchsten Kreisen

E. H. Cookridge: „Die Battenbergs. Die Geschichte einer europäischen Familie“; Biederstein-Verlag, München; 247 Seiten, 22,– DM.

Ihrer Majestät Apposition

Wie mächtig ist das House of Commons, das traditionsreichste und älteste Parlament der Welt? Die Kritik an der angeblichen Ohnmacht des Parlaments ist auch für die Bundesrepublik nicht neu.

Leitfaden durch Westminster

Karl Loewenstein: „Staatsrecht und Staatspraxis von Großbritannien“, Band I: „Parlament, Regierung, Parteien“, 584 Seiten, 98,60 DM; Band II: „Justiz, Verwaltung, Bürgerrechte“, 428 Seiten, 84,– DM, Springer-Verlag, Berlin.

Sind Schwaben dümmer?

Die Schwaben lassen sich nicht so schnell befriedigen wie die Westfalen oder die Bayern. Dies hat der Ludwigsburger Volksvertreter Rolf Schock ausgeknobelt.

Steuerbeamte mucken auf: Faule Kunden zuerst

Schon manchem ängstlichen und phantasiebegabten Steuerzahler mögen Franz Kafkas Visionen über das Schicksal des K. in den Sinn gekommen sein, sobald er den Versuch unternahm, sich und dem Finanzamt die Steuern zu erklären: Nur allzu leicht läßt sich vorstellen, daß der für den Steuerzahler nicht mehr faßbare Dirigismus im Labyrinth der Steuergesetzgebung als Modell für eine literarische Schrecktraumwelt geeignet wäre.

Kompromißlos militant

RecklinghausenWäre Rainer Barzel Außenminister, die katholische Wochenzeitung „Echo der Zeit“ hätte die in der zweiten Februarwoche ihr ins Haus geflatterte Photokopie des Knappstein-Berichts an das Bonner Auswärtige Amt sicher nicht publiziert.

Fragen an Kiesinger

Die rechtliche Bewältigung der deutschen Vergangenheit wirft viele Probleme auf. Ein Problem sind beispielsweise die Zeugen.

Rund um St. Pauli: Die Wirtin

Ich kam aus der Bernhard-Nocht-Straße und ging die Treppen zur Hafenstraße hinunter. Rechts standen ein paar Bretterbuden, vorne links fuhr gerade ein Lastwagen von der alten Brückenwaage und ungefähr gegenüber mußte Hermine Brutschin-Hansens Lokal sein.

Warum ich Amerika verlasse

mit diesem Brief lege ich die mir verliehene fellowship am Center for Advanced Studies der Wesleyan University in Ihre Hände zurück und verzichte auf das damit verbundene Stipendium.

Herausgeforderte Magnifizenzen

Obwohl die Magnifizenzen der in der Westdeutschen Rektorenkonferenz (WRK) zusammengeschlossenen wissenschaftlichen Hochschulen ihre Empfehlungen einstimmig veröffentlichen, rufen die Resultate ihrer "gemeinsamen Willensbildung" doch immer wieder den Eindruck hervor, als seien sie nicht etwa sachbezogener Kooperation zu verdanken, sondern vielmehr der mühsam gewonnene Extrakt aus einem Knäuel sorgfältig gesponnener Intrigen, geheimrätlicher Animositäten und handfester Gruppenkämpfe.

Der Weg in den Widerstand

Nach 1965 ging der SDS daran, das theoretisch Erarbeitete in die politische Praxis umzusetzen. Politische Praxis, das heißt: politische Kampfaktionen mit Methoden der internationalen Arbeiterbewegung (Flugblätter, Demonstrationen, Streiks), der amerikanischen Bürgerrechtler (verschieden geartete „-ins“) und der chinesischen Kulturrevolution (Wandzeitungen, Diskussionen).

Ein Blick in die Zukunft des SDS

Die bisher größte und in ihren Auswirkungen wahrscheinlich nachhaltigste Veranstaltung des SDS war der internationale Vietnam-Kongreß am 17.

Fernsehen: Die Witwe Möhring aus Barmbek

Immer wieder die Leichensäcke aus Kautschuk, stumme Vietnamesen (wie selten hört man sie sprechen!) und Witwen am Fließband, immer wieder die Teufelsreklame Visit beautiful Vietnam, immer wieder Gedanken an den Zynismus Bob Hopes: Wir sprachen vor 14 Tagen darüber und wollen heute nicht versäumen, auf ein Buch hinzuweisen, in dem der Slogan vom Schönen Vietnam und das Dreckwort Bob Hopes als Leitmotive einer ebenso präzisen wie inspirierten Analyse erscheint – Günther Anders’ Studie Visit beautiful Vietnam.

Kunstkalender

Von Kritikern wird oft (ungerechterweise) verlangt, sie sollten es „erst einmal besser machen“ als der kritisierte Künstler.

FILMTIPS

„Ein Liebesfall“, von Dušan Makavejew. Der zweite Film des jungen jugoslawischen Regisseurs (den ersten, „Der Mensch ist kein Vogel“, will das Fernsehen zeigen) konfrontiert die Bilder einer trüben Liebesgeschichte im heutigen Belgrad mit Dokumenten der gesellschaftlichen Einschätzung des Sexuellen.

Unmöglich

Die Sorge um ihre Instrumente verbiete es ihnen, das Stück mehrfach zu spielen, erklärten die Herren und betrachteten die Angelegenheit als erledigt.

Betriebsfest mit Zwischenfällen

Eine deutsche Autorin, 1926 in Königsberg geboren, jetzt in Westberlin lebend, stellt ihr erstes Theaterstück vor, der Suhrkamp-Verlag hält es für druckreif.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Fünfzehn Jahre nach seiner Rückkehr aus dem modernistischen Westen gestand Prokofieff 1948 in einem in der Prawda gedruckten Offenen Brief an den sowjetrussischen Kunstpapst Chrennikow, er habe sich „unzweifelhaft der Atonalität schuldig gemacht“, und gelobte, nach „einer klaren musikalischen Sprache“ zu suchen, „die meinem Volke verständlich und lieb ist“.

ZEITMOSAIK

Aus einer jetzt veröffentlichten EWG-Statistik geht hervor, daß die Holländer offensichtlich das lesehungrigste Volk der Gemeinschaft sind.

Der Boß schätzt nur das Teure in der Kunst

Kein Wunder, daß nicht mehr ganz junge deutsche Filmemacher wie zum Beispiel Peter und Ulrich Schamoni, die noch immer ein gutes Beispiel abgeben, sauer reagieren, wenn ihnen einer mit Klaus Lemke kommt.

Das Zeitalter der Sinnbilderwut

Es ist mißlich, ganze Perioden, Epochen, Jahrhunderte nach einer hervortretenden Eigenschaft, nach einem einzigen Hauptzug zu benennen.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT die hundertfachen Gerüche, Klänge, Empfindungen eines Menschenlebens, die tausendfachen Erinnerungen eines Mannes aus südstaatlicher Provinz, der sich wieder und wieder die magische Stadt erobert:unersättlich, wie ein besessenes Tier, streunte ich auf den Straßen umher, Erbarmen bei den Pflastersteinen, Trost und Weisheit bei einer Million von Bildern und Angesichten suchend .

Unser Seller-Teller Februar 1968

Zwar überwiegen bei den Nennungen der Buchhandlungen, wie auch nicht anders zu erwarten, leichteste Romane: Malpass, Clavell, Susann, Golon, Simmel, Moore, auch die „Candy“ kann man dazuzählen, obwohl sie andere Leser haben dürfte als Angélique.

Preise sind noch kein Gütezeichen

Proust und Malraux haben den Goncourt-Preis bekommen, Julien Gracq kam immerhin in die Lage, ihn abzulehnen; die Auszeichnung von Simone da Beauvoir („Die Mandarine von Paris“) und von Romain Gary („Die Wurzeln des Himmels“) weist auf eine Sympathie für das soziale Fresko, verbunden mit einer Botschaft, und zum nicht nur lesenswerten, sondern auch eminent lesbaren Roman.

„Hamburg“ mit ungewisser Zukunft

Die Nationalhymne ging unter im Lärm der Sirenen und Nebelhörner, als Frau Marie-Luise Kiesinger die Sektflasche an die Schiffswand warf und der Tropfensteven der „Hamburg“, des zukünftigen Renommierschiffes der deutschen Musikdampferflotte, zum erstenmal ins Wasser tauchte.

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