Von François Bondy

Proustund Malraux haben den Goncourt-Preis bekommen, Julien Gracq kam immerhin in die Lage, ihn abzulehnen; die Auszeichnung von Simone da Beauvoir („Die Mandarine von Paris“) und von Romain Gary („Die Wurzeln des Himmels“) weist auf eine Sympathie für das soziale Fresko, verbunden mit einer Botschaft, und zum nicht nur lesenswerten, sondern auch eminent lesbaren Roman.

Daneben eine lange Liste von Entscheidungen, die nicht nur im nachhinein unverständlich erscheinen: das erste und zugleich letzte Buch eines unbegabten belgischen Obersten, ein Dutzendroman von Georges Conchon. Die Juroren der „Gegenakademie“ Goncourt, zu denen jetzt auch Aragon gehört, sind im Durchschnitt älter als die Unsterblichen der französischen Akademie.

Ein Goncourt-Preis ist vor allem die Garantie für eine sehr hohe Auflage; aber auf spätere Bücher der damit ausgezeichneten Autoren überträgt sich der Nutzen gewöhnlich nicht. Wie die Sonne über Gerechte und Ungerechte scheint, so regnet der Goncourt-Preis über gute, mittlere und zuweilen sogar schlechte Romane. Wem er widerfährt, dem schwillt das Portefeuille und manchmal auch der Kopf; aber bald danach gilt, ob es nun Jean-Jacques Gauthier war oder Jean Cau oder wer sonst, daß fast niemand es mehr weiß.

Die beiden Goncourt-Preise von 1965 und 1966 sind jetzt in deutscher Übersetzung erschienen –

Jacques Borel: „Die Anbetung“, aus dem Französischen von Johannes Piron; Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 640 S., 25,– DM

Edmonde Charles-Roux: Palermo vergessen...“, aus dem Französischen von Karl-Ulrich von Hutten; Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins, Tübingen; 384 S., 24.– DM.