Was sich vor nunmehr zwei Jahren die Verfasser der protestantischen Ost-Denkschrift an Mißinterpretationen und Verleumdungen gefallen lassen mußten, erfahren jetzt die Katholiken des „Bensberger Kreises“ mit ihrem Memorandum zu polnisch-deutschen Fragen. Dabei handelt es sich in diesem Fall nicht einmal um ein offizielles Kirchendokument, sondern lediglich um „politische Erwägungen und Empfehlungen“ eines kleinen Kreises katholischer Professoren, Geistlicher und Journalisten, die der „Pax-Christi“-Bewegung nahestehen.

Das private katholische Memorandum hat nicht die Absicht, der Bundesregierung Weisungen zu erteilen oder auch nur Ratschläge zu geben. Es argumentiert allein gegen die „Lethargie der deutschen Öffentlichkeit, gerade auch die der Katholiken, die als das größte Hindernis einer Arbeit am Frieden erscheint“. Dazu freilich gehört, nach Auffassung der knapp hundert Unterzeichner des Bensberger Papiers, die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, die Zubilligung des Heimatrechtes für die neun Millionen Polen, die seit 1945 in jenen Gebieten leben, und eine Wiedergutmachung an den polnischen Opfern des Hitler-Terrors. Das alles, fordert das Memorandum, müsse endlich zur öffentlichen Meinung in der Bundesrepublik werden. Versöhnung also statt Verhärtung, Frieden an Stelle von Feindschaft, so wie es das zweite Vatikanische Konzil, wie es die letzten beiden Päpste und wie es die deutschen und polnischen Bischöfe in ihrem Briefwechsel verlangten.

Der „Bensberger Kreis“ folgte nur dem, was seit langem auch höheren Orts angeregt wurde. Er ging dabei, im Vergleich zur Ost-Denkschrift der evangelischen Kirche, einen Schritt weiter: Wo die Protestanten mit Hilfe einer umstrittenen Schuldtheologie die Kriegsfolgen als ein „Gottesgericht“ zu erklären versuchten, definieren die Bensberger Gebietsverluste pragmatischer als politische Wiedergutmachung; wo die einen nicht expressis verbis für eine Anerkennung der neuen Westgrenze Polens plädieren, erkennen die anderen, eine Friedensregelung ohne Gebietsverluste sei undenkbar. Dazu haben sich unterdessen auch die Delegierten des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten in einer Entschließung an den Parteivorstand bekannt. Die Einsicht scheint demnach zu wachsen, daß Wunschdenken und Tabupolotik zu nichts führen. D. St.