Von Helmut Salzinger

Spaß macht so richtig Spaß nur, solange die anderen sich darüber ärgern. Unverständnis, Widerspruch, Ablehnung, empörter Protest sind ein ergiebiger Quell der Inspiration für den, der es darauf angelegt hat, durch sein Tun die Umwelt in ihrer Ruhe zu stören. Doch hat er das Publikum erst einmal so weit, daß es begeistert applaudiert, dann ist es mit seiner Inspiriertheit bald zu Ende.

Diesen Sachverhalt illustriert das Wesen und Wirken einer literarischen Kumpanei, die kürzlich in dem umfangreichen Band

"Die Wiener Gruppe: Achleitner, Artmann, Bayer, Rühm, Wiener" – Texte, Gemeinschaftsarbeiten, herausgegeben und mit einem Vorwort von Gerhard Rühm; Rowohlt Verlag, Reinbek; 496 S., Paperback, 19,80 DM

dokumentiert wurde. Jahrelang durfte die Wiener Dichtergruppe sich in Wien im Exil fühlen, und die allgemeine Ablehnung stärkte ihren Zusammenhalt. Der erste Erfolg aber war der Anfang vom Ende.

Allerdings dürfte es nicht allein der Erfolg gewesen sein, der die Auflösung der Gruppe zuwege brachte. Er beschleunigte sie nur. Die fünf Autoren, die sich während der ersten Hälfte der fünfziger Jahre zusammengefunden hatten, waren in ihrem künstlerischen Temperament allzu verschieden, als daß sie in den Methoden und Zielen ihrer Arbeit auf die Dauer hätten übereinstimmen können.

Dieser Sachverhalt, der sich an den eigenen Beiträgen der einzelnen Autoren ablesen läßt, wird von der Masse der gemeinsam verfaßten weitgehend verdeckt. Darum ist es sehr zu begrüßen, daß der Leser zu seiner Information nicht allein auf die Gruppenchronik im Vorwort des Herausgebers Gerhard Rühm angewiesen ist, sondern im Innern des Bandes noch einen Aufsatz von Oswald Wiener über "das literarische cabaret’ der wiener gruppe" finden kann. Hier nämlich ist einiges von der notwendigen Selbstkritik nachgeholt, die der anekdotische, nicht selten auch geschwätzig-sentimentale Rückblick von Rühm vermissen läßt.