„Guanyarem – Wir werden siegen – Ganaremos“; Joan & José; Verlag „pläne“, Dortmund, S55 101, 22,50 DM

Sie gehören zur spanischen Nachkriegsgeneration: unter Franco sind sie aufgewachsen; seit fünf Jahren studieren sie in Heidelberg: Joan und José unterstützen die immer stärker werdende Opposition gegen das Regime in Spanien von jenseits der Grenze durch Gitarre und Gesang. Beim Folksingertreffen auf Burg Waldeck waren sie zu hören und bei Treffen der Ostermarschierer. Mit ihrer ersten Langspielplatte haben sie dem nationalen. Protest der spanischen Arbeiter, Studenten und Intellektuellen den Anschluß an die internationale Protestsong-Bewegung verschafft.

Joan und José singen gegen die Unterdrückung des spanischen Volkes – aber sie singen nicht spanisch. Die elf Lieder in katalanischer Sprache demonstrieren zugleich gegen einen außerhalb Spaniens wenig bekannten Aspekt der Innenpolitik Francos: seine Unterdrückung der selbstbewußten katalanischen Teilkultur, der sich mit Anfang der sechziger Jahre die musikalische Untergrundbewegung des Nova Cançó Catalana entgegenstellt. So wichtige Vertreter der jungen Generation wie Salvador Esprin haben dafür die Texte geschrieben.

Zwischen Agitation und Poesie, zwischen Aufruf zur Aktion und melancholischer Klage sind diese Lieder angesiedelt; die spanische Gitarrentradition, wechselnd zwischen schlagenden Rhythmen und fremdartigem Melodienreichtum, kontrastiert lebendig mit der inzwischen zum internationalen Proteststil gewordenen Mischung aus Folklore und Chanson.

Für Genießer ist diese Platte nichts; das peinliche Gefühl, den Aufschrei gegen Diktatur zum vervielfertigten Kulturabklatsch herabgewürdigt zu sehen, an dem sich zu delektieren zum guten Ton gehört, kommt eigentlich nicht auf. Trotzdem bleibt die Frage der beiden jungen Spanier notwendig auch diesmal wieder unbeantwortet: „Was tun wir, Freunde? Wir reden viel, aber was sonst?“ Hilke Schlaeger