Von Christopher Driver

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 1967 schalteten 13 Millionen Engländer ihre Fernsehapparate ein, um sich ein Festprogramm anzusehen, das von den „Nationalhelden“ – den Beatles – eigens für diesen Tag hergestellt und der BBC verkauft wurde. Der Titel der Sendung: „Magical Mystery Tour“. So wie dieser Film gesendet, wie er aufgenommen wurde, zeigt er deutlich die Situation des britischen Fernsehens.

Das Programm fiel beim Publikum und bei den Kritikern durch, und jeder (ausgenommen die Beatles und die BBC) freute sich. Das Publikum, weil es dem beliebten Nationalsport huldigen konnte, über die Sendungen der BBC wütend zu sein; die Kritiker, weil die Beatles zu erfolgreich sind. Den Managern der Beatles dürfte der Mißerfolg nicht allzuviel ausgemacht haben (obwohl die Herstellung des Films 40 000 Pfund gekostet haben soll), denn den Fans gefiel der Film in den privaten Vorführun- – gen, und die Unkosten dürften schon vor der ersten Aufführung durch Verkäufe ins Ausland gedeckt gewesen sein.

Und dann, 14 Tage später, wurde der Film, der ursprünglich nur in Schwarzweiß gezeigt worden war, noch einmal gesendet, diesmal im Zweiten, etwas spezielleren Programm, das für die kleine Minderheit der englischen Besitzer von Farbfernsehapparaten für Farbübertragungen eingerichtet ist. Ich sah diese Sendung, ohne die ursprüngliche Übertragung gesehen zu haben. Und alle waren sich darüber einig, daß „Magical Mystery Tour“ ein guter Film ist: ein fröhliches, ungebundenes Toben durch die Totems unserer Zivilisation, vor der sich die Beatles immer weniger verbeugen. Ihre Scherze und ihre improvisierten Parodien haben wohl alle verwirrt, die noch nie einen Film der Neuen Welle oder ein Bild von Dali sahen, aber so ungebildet dürften selbst die britischen Fernsehkritiker nicht sein.

Der Haken war einfach der: „Magical Mystery Tour“ war in Farbe geplant und wurde in Farbe gedreht, aber die BBC brauchte dringend den Namen der Beatles, um ihre Zuschauer am Weihnachtsfeiertag zu interessieren und gleichzeitig die Konkurrenzsender auszubooten. So wurde der Film in Schwarzweiß gesendet, ohne daß wenigstens den Kritikern vorher die Farbfassung gezeigt worden wäre. Während Länder mit Farbfernsehen – von den USA bis zum Libanon – England viel Geld für diesen Film bezahlten, wurden die Beatles in ihrem eigenen Land ein Opfer der Unbarmherzigkeit der Programmgestalter.

Fernsehen ist in England, genau wie in anderen Ländern, ein hartes, habgieriges und verschwenderisches Medium: hart für die Leute, die es machen, aber auch für den bedauernswerten „Übeltäter“, der (wie der ehemalige Senator McCarthy) das Opfer der für dieses Medium so charakteristischen Art der Dekuvrierung wird; habgierig nach Gewinn, Ideen, Publikumserfolgen; verschwenderisch bei der Belohnung des Erfolgreichen (wie David Frost, ein noch nicht mal dreißigjähriger Sohn eines Methodistenpfarrers, der sich 1963 in einer satirischen Sendung der BBC einen Namen machte, daraufhin eine eigene Sendung bekam, in der er jeden, vom größten Gauner bis zum Minister, aufs strengste verhörte, und der nun Teilhaber einer neuen kommerziellen Fernsehgesellschaft ist, die den Londoner Raum versorgt).

Ich weiß nicht, ob es noch stimmt, daß das britische Fernsehen das beste der Welt ist (sicherlich wird, nach den britischen Beiträgen für Eurovisionssendungen zu urteilen, das Beste nicht exportiert). Aber es ist doch noch eines der erfolgreichsten der Welt. Die BBC, die jährlich ihre 72 Millionen Pfund an Rundfunk- und Fernsehgebühren einnimmt, die für Rundfunksendungen nach Übersee von der Regierung 11 Millionen Pfund erhält, verkauft jährlich Fernsehsendungen im Wert von einer Million Pfund ins Ausland.