Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol tauschten die Banken am vergangenen Wochenende nur noch 20 Pfund Sterling pro Person ein. Auch den Umtausch von Dollar schränkten die Banken ein. Damit fand die Währungshysterie, die seit einiger Zeit an jedem Wochenende herrscht, einen neuen Höhepunkt.

Anlaß gab das allmonatliche Treffen der Notenbankpräsidenten, das am letzten Sonntag in Basel begann und von dem möglicherweise eine Entscheidung über eine Änderung des seit 1931 geltenden Goldpreises von 35 Dollar je Unze erwartet wurde.

Aber alle diejenigen, die sich noch am Freitag vorsichtshalber von Dollar und Pfund getrennt hatten und damit das Pfund auf einen Kurs von 2,39 Dollar, unter die Parität also, gedrückt hatten, sahen sich am Montag getäuscht: Die Konferenz der Notenbanken teilte lapidar mit, daß der bisher gültige Dollarpreis für Gold gehalten werde. Staatssekretär Deining vom US-Schatzamt fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten auch den Eintausch von Dollar gegen Gold aufrechterhalten würden.

Die Währungshysterie war durch eine Rede des republikanischen Senators Javit angeheizt worden, der eine Auflösung des Londoner Goldpools vorgeschlagen hatte. Der Goldpool hatte bisher mit Unterstützung von sieben Industrienationen alle Spekulationen gegen den Goldpreis aufgefangen. In London rechnete man auf dem Höhepunkt der Spekulation, daß an einem Tag rund 100 Tonnen Gold von Spekulanten aufgekauft wurden. In Paris wurden mit einem Verkauf von vier Tonnen der höchste Tagesumsatz dieses Jahres erreicht. Außerdem wechselten 100 000 Goldmünzen den Besitzer. Auch in Zürich erreichte die Nachfrage den höchsten Stand des Jahres.

Gegen den Run auf das Gold vermochten die wenigen besonnenen Stimmen nur wenig auszurichten. So vertrat die Morgan Guaranty Trust Company in New York die Ansicht, daß eine Verdoppelung des Goldpreises kaum die Probleme der amerikanischen Zahlungsbilanz lösen würden, weil davon das Wechselkursverhältnis des Dollar zu anderen Währungen nicht berührt würde.

Die Spekulation hat im übrigen sehr schnell auf die Baseler Beruhigungspille reagiert: Zum Wochenbeginn hat sich die Goldnachfrage in London wieder normalisiert. mh.