Die Eskalation in Vietnam hat auch eine Eskalation der weltweiten Diskussion über die moralischen und finanziellen Aspekte des Krieges ausgelöst. Die letzten Schätzungen der Kosten des Vietnam-Krieges sprechen von 30 Milliarden Dollar in diesem Jahr. Dabei wird auch die Frage nach der Verbindung von Rüstungsproduktion und Profit aufgeworfen. Eine besonders grausame und umstrittene Waffe ist das Napalm, das von dem amerikanischen Chemiekonzern Dow Chemical hergestellt wird. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Business Weck schildert, welche Auswirkungen die Napalm-Produktion auf den Ruf des Unternehmens hat.

Jack Jones, ein Public-Relations-Manager der amerikanischen Dow Chemicals, und einige seiner Mitarbeiter mußten kürzlich durch ein Hinterfenster einer amerikanischen Universität flüchten, um sich vor einer Gruppe wutentbrannter Studenten zu retten, die sich bemühten, die Tür einzuschlagen. Sie sprangen in ihren Wagen, wo die Studenten sie einholten und den abgeschlossenen Wagen solange schaukelten, bis den belagerten Dow-Vertretern vor Angst die Zähne klapperten.

Kaum war Jones in Sicherheit, berief er eine Pressekonferenz ein, um die Vorfälle eingehend zu schildern. Für ein Top-Management, das der Meinung ist, das beste wäre unter solchen Umständen, so unsichtbar wie möglich zu bleiben und abzuwarten, bis sich der aufgewirbelte Staub wieder legt, wäre das Vorgehen von Jones ein Grund zur sofortigen Entlassung gewesen. Nicht jedoch bei Dow Chemical, wo man jetzt seit zwei Jahren ständig die Proteste der Universitäten über sich ergehen lassen muß. Die Gesellschaft hat sich zu der Ansicht durchgerungen, daß es besser ist, den Protesten frontal zu begegnen.

Dow ist das Ziel der Studentenproteste, weil es Napalm herstellt, einen flüssigen Kampfstoff, der aus Flammenwerfern gefeuert oder in Brandbombenkanistern abgeworfen wird. Genauer gesagt: Dow mischt Napalm, das in seinen Hauptbestandteilen zu 26 Prozent aus Polystyren (eigene Fabrikation), 33 Prozent Benzin und 21 Prozent Benzol besteht.

Für seine Gegner ist Napalm der Inbegriff all dessen, was den Vietnamkrieg so verabscheuungswürdig macht. Dies hat während des Studienjahres 1966/67 zu 55 Studentendemonstrationen gegen die Personalwerber der Dow-Gesellschaft geführt, die sich an den Hochschulen nach Nachwuchskandidaten umsahen.

Die Demonstrationen richten sich wahrscheinlich mehr gegen den Vietnamkrieg selbst als gegen Napalm und seine Hersteller. E. N. Brandt, Public-Relations-Direktor bei Dow, glaubt, daß sie von „einer sehr kleinen Gruppe von Aktivisten unter den Studenten und einem Kern von Mitgliedern des Lehrkörpers ausgehen“.

Bei Konkurrenzunternehmen in der chemischen Industrie glaubt man, daß Dow einen Fehler gemacht hat, als es sich entschloß, die Personalwerbung an den Universitäten trotz so vieler Störversuche fortzusetzen. Man meint, daß auch die spätere Entscheidung Dows, das Problem zu debattieren, wann immer sich eine Gelegenheit zu einem Dialog bietet, nur eine Potenzierung des Irrtums sei.