Im Unternehmensbereich der August Thyssen-Hütte AG, Duisburg-Hamborn, wird wieder kräftig investiert. In den letzten beiden Jahren ist bei Thyssen – wie überall in der deutschen Stahlindustrie – nur sehr sparsam gebaut worden. Die Abschreibungen lagen ganz erheblich über den Investitionen, die im vergangenen Geschäftsjahr mit 298 Millionen den absoluten Tiefstand seit dem Wiederaufbau des Unternehmens erreicht hatten.

„Es wird jetzt eine Periode kommen“ – so erklärte Generaldirektor Dr. Hans-Günther Sohl in der Pressekonferenz der ATH – „in der mindestens die Abschreibungen, vermutlich aber viel mehr verbaut wird.“ Diese Periode hat bei Thysssen schon begonnen! Im laufenden Jahr sollen im Konzern 500 Millionen investiert werden. Fertige Pläne über eine Milliarde liegen in den Schreibtischen der Verwaltung. Die Thyssenhütte selbst baut unter anderem ein neues Oxygenstahlwerk, das 1969 anlaufen und mit 3,6 Millionen Jahrestonnen eines der größten Stahlwerke der Welt sein wird. Der Zuwachs an Rohstahlkapazitäten wird sich jedoch – wie es heißt – in „bescheidenen Grenzen“ halten, weil gleichzeitig alte Anlagen stillgelegt werden. Immerhin wird der Thyssenkonzern bereits in diesem Jahr, unter Einbeziehung des Hüttenwerks Oberhausen in die Thyssengruppe – mit der Genehmiging des Zusammenschlusses durch die Hohe Behörde rechnet die Verwaltung schon in den nächsten Wochen –, über eine Rohstahlkapazität von 12 Millionen Jahrestonnen verfügen.

Daß Größe indessen kein Selbstzweck ist, hat Europas größter Stahlkonzern im vergangenen Geschäftsjahr wiederum deutlich unter Beweis gestellt. Auch die Thyssen-Gruppe mußte aus Beschäftigungsgründen ihre Exporte sprunghaft steigern; die schlechten Erlöse schlagen sich in dem trotz gestiegener Produktion verringerten Umsatz nieder. Aber der auf konsequente Arbeitsteilung eingestellte Konzern kam dabei trotzdem vergleichsweise sehr gut über die Runden.

Und das laufende Geschäftsjahr hat bei Thyssen bereits wieder alle Voraussetzungen, ein glanzvolles Jahr zu werden. Die Inlandsnachfrage steigt und mit ihr der Umsatz des Konzerns. Die Anlagen sind zum großen Teil auf absehbare Zeit vollbeschäftigt. Daß sich die Duisburger Verwaltung in der bevorstehenden Hauptversammlung 100 Millionen für eine Barkapitalerhöhung genehmigen lassen will, ist ein Zeichen für die Zuversicht der Verwaltung. Nmn