Ein Gespräch mit Helmut Schön

Von Wolfgang Wünsche

Im Frühsommer 1966 zogen 16 Fußballtrainer aus, um mit ihren Nationalmannschaften in England die Weltmeisterschaft zu erringen. Heute, nach 21 Monaten, sind von diesen 16 nur noch vier in Amt und Würden: Alf Ramsey, der Chef der englischen Weltmeister-Elf, der nordkoreanische Oberst Re Hyung, der emsige Mexikaner Ignacio Trelles und Bundestrainer Helmut Schön. Warum sind es nur noch vier von 16? Fußballtrainer leben „gefährlich“. Auch Helmut Schön?

Zwei Tage nach dem 3:1 Sieg der Deutschen über die Belgier in Brüssel wirkt der Bundestrainer abgespannt. Er hat Ärger am Telephon: „Das ist doch nicht wahr, kompletter Unsinn, habe ich nie gesagt.“ Der Hörer knallt auf die Gabel. Doch Sekunden später lächelt Helmut Schön. „So geht es.“ Ärger über Brüssel.

„Nun wehren Sie sich einmal dagegen. Das ist doch Lüge,“ meint Schön empört. „Da behauptet doch ein Reporter, ich hätte in der Pause des Brüsseler Spieles Order gegeben, die zweite Halbzeit defensiv zu gestalten. Nichts davon ist wahr. Ich sagte lediglich, paßt auf, laßt euch das Spiel beim Stande von 3:0 nicht aus der Hand nehmen, macht so weiter wie bisher. Kein Wort von Defensive ist gefallen. Hat man nicht erkannt, daß Beckenbauer soviel gerannt ist wie nie zuvor seit den Spielen bei der Weltmeisterschaft in England?“

Als Helmut Schön 1964 die Nachfolge von Sepp Herberger antrat, übernahm er eine schwere Bürde. Er mußte sich mit den „vielen Amateur-Bundestrainern“ auseinandersetzen, mit Telephonanrufen, Lob und Tadel, mit täglich 30 bis 60 Briefen. Das ist nicht einfach für einen eher konservativen, im guten Sinne sensiblen Mann.

„Existiert ein Notizbuch, wie bei Herberger?“