Die hektographierten Blätter, die manch einem auf den Schreibtisch kommen, sind gewiß von Wert und Wichtigkeit. Denn sie unterrichten uns darüber, welche Tage welchen Ereignissen gewidmet sind.

Nehmen wir zum Beispiel den 14. März! Die Vorschau berichtet, daß zu Wien im Museum für Völkerkunde eine Ausstellung „3000 Jahre peruanische Malerei“ eröffnet wird und daß in Madrid das Treffen der Billardspieler beginnt: „Europameisterschaften im Dreiband.“ Und das ist noch nicht alles. In Mannheim geht ein Tag auf, der drei Tage dauert. Es ist der „Tag des Baumes 1968“ und wird als Ereignis der Schutzgemeinschaft „Deutscher Wald“ mit „Übergabe eines neuen Waldlehrpfades im Käfertaler Wald“ gefeiert. Nehmen wir noch hinzu, daß ebenfalls am 14. März die Spitzenverbände des Kreditgewerbes und Vertreter des Bundesverbandes der Industrie in Bonn zusammenkommen, um dem Bundeswirtschaftsministerium ihre Stellungnahme zur Börsenreform zu unterbreiten, so erkennen wir staunend, wie viele öffentliche Geschehnisse ein einziger Tag bringen kann und in dieser oder jener Form auch zu bringen pflegt. Und doch ist der 14. März kein Tag wie alle anderen.

Die hektographierte Vorschau notiert für diesen Vierzehnten: „BRD – Tag des sauberen Handtuchs.“

Beachten wir wohl: Alle anderen Ereignisse dieses Tages sind lokalisiert, sind örtlich streng begrenzt: Wien, Madrid, Mannheim mit dem Käfertaler Wald und Bonn. Das Fest des Handtuches aber geht uns alle an. Die ganze Bundesrepublik Deutschland (BRD) soll es sein!

Um es ehrlich einzugestehen: Wir tappten bisher im dunkeln. Tage, die im Kalender hervorgehoben sind, meist mit roter Farbe, wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten, um nur die kirchlichen Feste zu nennen, sind uns allen vertraut, und wir freuen uns, wenn sie nahen. Aber der „Tag des sauberen Handtuchs“, obwohl er bundesweite Geltung hat, ist unserer Aufmerksamkeit bisher entgangen. Um so mehr lohnt sich der öffentliche Hinweis: Bundesbürger freuet euch! Am 14. März haben wir alle saubere Handtücher. Und auch am 15., am 16. und gar am 17. März werden sie noch nicht ganz schmutzig sein.

Leider enthält die Vorschau nicht den geringsten Hinweis, wem wir diesen schönen Tag zu verdanken haben. Den zur gleichen Zeit gefeierten „Deutschen Wald“ lieben – das ist bekannt – die Förster und die Wanderer, die Jäger, die Liebespaare und die Waldhornbläser. Wer aber liebt das deutsche Handtuch?

Es ist denkbar, daß die Tuchhersteller oder die Wäschereibesitzer diesen Festtag begründeten. Es gibt ja in Betrieben und öffentlichen Sanitäranlagen diese Apparate, die den Handtuchmachern und den Wäschereien Konkurrenz bieten. Ein Tritt auf ein Pedal, schon pustet ein Rohr warmen Wind; die Kunden reiben sich die Hände; die Hersteller der Apparate wohl auch. Für diese Fabrikanten ist der 14. März ein schwarzer Tag. Die Handtücher sind weiß an diesem Tage. Und die Anschauung lehrt, daß nasse Hände lieber nach sauberen Tüchern greifen, als sichunter pustendem Föhn zu reiben.