Nach fünf Jahren bietet die Bayerische Vereinsbank ihren Aktionären wieder einmal ein Bezugsrecht. Die zum 25. April einberufene Hauptversammlung soll über die Aufstockung des Grundkapitals um neun Millionen Mark im Verhältnis von 10 zu 1 zum Kurs von 100 Mark je 50 Mark Aktie beschließen. Weitere 1,0 Millionen Mark will die fünftgrößte private deutsche Bank freihändig verwerten. Die Kapitalerhöhung war inzwischen fällig: zum Jahresende belegten die Eigenmittel mit 250 Millionen Mark gerade 3,6 Prozent der Bilanzsumme. Für ein Kreditinstitut vom Standing der Bayerischen Vereinsbank ist dieser Satz nicht gerade üppig.

Im vergangenen Jahr schnitt die Bayerische Vereinsbank, die als privates, gemischtes Institut arbeitet, also das Bank- und Hypothekargeschäft betreibt, recht gut ab. Die Bank steht gleichsam auf zwei Beinen, ein Vorzug, den in Deutschland nur noch das „Schwersterinstitut“, die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank aufweist. Die Bilanz verlängerte sich 1967 um weitere 12 Prozent auf annähernd sieben Milliarden Mark. Diese Expansion ist um so bemerkenswerter, als sich die industrielle Produktion Bayerns im vergangenen Jahr stärker ermäßigte als im Bundesdurchschnitt.

Die Kreditexpansion wurde 1967 erstmals seit 1955 unterbrochen. Der Einlagenzufluß – kam daher überwiegend der Liquidität zugute. Einen Ausgleich für die ruhige Kreditnachfrage der Bankenabteilung fand das Institut, das in Bayern 151 Niederlassungen unterhält, im Hypotheken-Geschäft: hier fielen die Zuwachsraten 1967 höher aus als in den beiden vorangegangenen Jahren. Zum Jahresende waren 2,3 Milliarden Mark an Hpyothekendarlehen und 782 Millionen Mark in Kommunaldarlehen ausgeliehen. Auffällig ist die Zunahme der Zwangsmaßnahmen, die vor allem Eigenheime und Einzelbauherren betrafen, „die sich zu hohe Belastungen zugemutet hatten“. Die Bank war erstmals seit 1954 gezwungen, ein Wohnungsbauobjekt im Zwangsversteigerungsverfahren zu übernehmen.

Die Ertragslage wird als zufriedenstellend bezeichnet. Für die leicht reduzierte Zinsspanne – sie wurde mit 2,5 Prozent beziffert – fand die Bank reichlichen Ausgleich im Wertpapiergeschäft, so daß nach Bestreitung der unveränderten Dividende von acht Mark je 50 Mark Aktie sowohl die offenen als auch die stillen Reserven stärker dotiert werden konnten als im Jahr zuvor. hö