E. W., Paris, im März

Der General läßt zur Zeit den 350. Prozeß für die Verteidigung der Ehre und Würde des französischen Staatspräsidenten führen – seiner eigenen. Der 349 Fall der mit einer Geldbuße von 2000 Francs gesühnt wurde, betraf eine respektlose Karikatur auf Aschenbechern.

Der neueste Prozeß, in dem Ende dieses Monats das Urteil gefällt wird, dreht sich um die Streitschrift eines Linksintellektuellen, deren Titel bereits das Programm verrät: „Die Respektlosigkeit lehren!“ – Der Verfasser befleißigte sich dieses Vorsatzes, indem er von de Gaulle unter anderem schrieb: „Die beunruhigenden Figuren seiner Umgebung und die Totschläger, deren Handlungen er, von hoher Warte natürlich, deckt...“ Oder, mit Bezug auf die Ansprachen, die der General bei Provinzreisen an die zur Begeisterung entschlossenen Massen zu halten pflegt: „Je primitiver die Worte, um so größer der Erfolg.“

Der Staatsanwalt findet in solchen Bemerkungen den Tatbestand eines Paragraphen erfüllt, der seit den Anfangszeiten der III. Republik den ersten Mann im Staate „gegen Angriffe auf seine Ehre und auf die ihm gebührende Achtung“ schützt. Er wurde in der IV. Republik zweimal in Anspruch genommen, einige Male mehr unter der III. Republik, aber in 80 Jahren gab es nicht einmal den zehnten Teil der Anklagen, die seit 1959 erhoben wurden.

„Wer sich zur Verwirklichung eines politischen Programms wählen läßt, der muß auch einem politischen Pamphlet standhalten“, so argumentieren alle Verteidiger jener Angeklagten, die die Majestät de Gaulle beleidigen. Vergeblich meist, denn die französische Justiz ist willens, nichts auf ihren hohen Herrn kommen zu lassen.