Von Thomas v. Randow

Die größten Teleskope der Erde sind gegenwärtig auf ein kosmisches Objekt gerichtet, das man bis vor sechs Jahren für einen gewöhnlichen Stern unserer Galaxie gehalten hatte, das dann aber in den Verdacht geriet, viel weiter entfernt zu sein als der fernste unter den beobachteten Spiralnebeln. Das wird jedoch seit zwei Jahren wieder angezweifelt, und dieser Zweifel ist es, der das sternartige Gebilde zu einem so interessanten Gegenstand gemacht hat, daß sich fünf Observatorien in Kalifornien, eines in Texas und je eines in Australien, Rußland, Südafrika und Japan seiner Beobachtung widmen. Denn wenn sich dabei ergeben sollte, daß das Objekt, wie neuerlich vermutet, „nur“ hunderttausend bis eine Million Lichtjahre von uns entfernt ist, würde eine Reihe von astronomischen und astrophysikalischen Theorien ins Wanken geraten. (Ein Lichtjahr, die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, ist rund neuneinhalb Millionen Kilometer lang.)

Der blaßbläuliche Punkt am Firmament, der so sehr in den Mittelpunkt des astronomischen Interesses gerückt ist, trägt die Bezeichnung 3C 287 und gehört zu den quasistellaren Radioquellen, die man kurz Quasars nennt. Es sind Gebilde mit einem Durchmesser von ein paar Lichtjahren, die jedoch Radiowellen mit einer Intensität abstrahlen, wie man sie sonst nur von Systemen aus hundert Milliarden Sternen, den sogenannten Radiogalaxien, kennt.

Besonders bemerkenswert, und daran entzünden sich Phantasie und Meinungsstreit der Astrophysiker, ist die Leuchtkraft dieser Quasisterne, die der von fünfzig Billionen Sonnen entspricht – vorausgesetzt allerdings, daß die Entfernung dieser Objekte so groß ist, wie es die Rotverschiebung im Lichtspektrum, von der noch die Rede sein wird, vermuten läßt.

Wie ein relativ kompaktes Gebilde so viel Energie abstrahlen kann, dafür gibt es bis jetzt noch keine befriedigende physikalische Erklärung. So sind die Quasars rätselhaft, und wie alles Rätselhafte in der Natur provozieren sie die Neugier der Wissenschaftler. Extrem weit entfernte kosmische Gebilde sind vor allem auch deshalb interessant, weil man aus ihrer Existenz und ihrer Dichte Rückschlüsse auf die geometrische Struktur des Universums und seine Entstehung ziehen kann.

Verrückte Spektrallinien