Jeder Veranstalter von Tagungen und Kongressen, der etwas von sich hält, legt Wert darauf, mindestens einen Minister auf der Rednerliste zu haben. Unsere obersten Staatsdiener, die solchen Wünschen offensichtlich sehr aufgeschlossen gegenüberstehen, bringen so einen großen Teil ihrer wertvollen Arbeitszeit damit zu, Reden zu halten, die eigentlich genausogut ihre Referenten ablesen könnten – die sie ja meistens auch verfaßt haben.

Meist kann man bei solchen Gelegenheiten eine Fülle von Vorschlägen und Forderungen vernehmen. Wer die Entwicklung der deutschen Politik auf dem einen oder anderen Gebiet kritisch verfolgt, stellt vielleicht befriedigt fest, daß unsere Minister ganz genau wissen, was eigentlich getan werden sollte. So auch in Oberhausen bei der Arbeitstagung der IG Metall zum Thema „Computer und Angestellte“, zu der drei Bundesminister angereist kamen – Katzer, Stoltenberg und Schiller.

Hier forderte Bundesarbeitsminister Katzer mit erhobener Stimme, die Bundesrepublik solle sich an der intensiven Automationsförderung der USA ein Beispiel nehmen. Außerdem wandte er sich mit Nachdruck gegen die bisherige Praxis, umschulungswillige Erwachsene wie Lehrlinge zu behandeln. So richtig das alles ist, Minister sollten es Wissenschaftlern, Publizisten und Interessenvertretern überlassen, Vorschläge zu machen und Forderungen zu stellen. Von Politikern möchte man lieber Taten sehen. ju