Ich habe die größte Pop Sammlung Her Welt! Einhundertuiidsechsundsiebzig Stücke! Ich träume schon jetzt davon, bei Parke Bernet (dem größten amerikanischen Auktionshaus) meine Sachen an drei aufeinanderfolgenden Abenden unter den Hammer zu bringen " Ich werde die Unterhaltung, die ich mit dem Versicherungsmakler Leon Kraushaar in Lawrence, Long Island, vor zwei Jahren hatte, mein Lebtag nicht vergessen — und schon gar nicht dessen Wohnung, von der er selbst als einem "Pop Tempel" sprach. Lichtenstein (der Pop Künstler) sei noch, besser als Polaroid und Collin Radio (die Aktien werte), hatte er mir klarzumachen versucht. Leon Kraushaars Traum von einer Auktion bei Parke Bernet sollte nicht m Erfüllung gehen. Im September vergangenen Jahres starb er überraschend an einem Herzinfarkt. Kraushaars Traum von einer Auktion wurde zu einem Alptraum für die New Yorker Händler und Künstler, die ihr Pop Preisgebäude zusammenbrechen sahen. Man wußte, daß weder die Witwe noch deren Söhne der Sammelleidenschaft verfallen waren und daß sie sich von ihren Pop Schätzen trennen wollten.

Entsprechend groß war in New Yorker Kunsthandelskreisen die Erleichterung, als vor kurzem bekannt wurde, daß die Kraushaar Sammlung en bloc an den Mann gebracht werden konnte — und zwar an den Darmstädter (Wella )Fabrikanten, Sammler und Mäzen Karl Ströher, der in diesen Tagen 78 Jahre- alt wird.

Es ist nicht zuletzt dem Einfluß und dem Enthusiasmus des jungen Kunsthändlers Franz Dahlem zu danken, daß sich Karl Ströher um diese Sammlung bemüht hat. Ströher beabsichtigt, wie man hört, die Sammlung dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt zu vermachen.

Über den Preis, der für die insgesamt 160 Pop Bilder und Plastiken sowie über 30 Zeichnungen gezahlt worden ist, ist bisher offiziell nichts bekannt geworden. Aus der Versicherungssumme von 500 000 Dollar wird man jedoch schließen dürfen, daß Ströher tief in die Tasche gegriffen hat. Leon Kraushaar dürfte allenfalls ein Drittel dieser Summe für diese Sammlung aufgewendet haben, die mit 36 Bildern und Objekten Andy Warhols, 21 Plastiken von Claes Oldenburg, 16 Bildern von Roy Lichtenstein, 5 Bildern von James Rosenquist, 7 Arbeiten von Tom Wesselmann sowie weiteren Bildern und Plastiken typischer Vertreter der amerikanischen Pop Kunst einen repräsentativen Querschnitt durch eine der meist umstrittenen Stilrichtungen der Nachkriegszeit bietet.

Lichtenstein und Co erwiesen sich im Vergleich zu Polaroid und Collin Radio tatsächlich als die bessere Investition.