Die nebenstehende Analyse der Universitätsstruktur und dessen, was „Demokratisierung“ da zu leisten vermag, durch Kurt Sontheimer, den Berliner Ordinarius für Politische Wissenschaften, erscheint uns geeignet als Leitschnur unseres eigenen Denkens und Handelns.

An einem Punkt nur ist sie, so meinen wir, ergänzungsbedürftig. Sontheimer geht, wie üblich, davon aus, unsere Hochschulen seien, wie alle Schulen, Institute der Lehre und, über andere Schulen hinaus, Institute der Forschung.

Ihre dritte Funktion bleibt dabei, hier wie meistens, zu keusch im Hintergrund: In praxi sind die Universitäten auch und vor allem Prüfungsinstitute, einzig autorisierte Aussteller begehrter Befähigungsnachweise, die wie nichts anderes entscheiden über den künftigen Lebensweg eines Universitätsabsolventen.

Da liegt doch der Kern des Unbehagens! Nicht als Forscher und nicht als Lehrer ist der deutsche Professor ins Kreuzfeuer radikaler Kritik geraten, sondern als Verwaltungsbeamter und als Prüfer – zwei Funktionen, von denen viel zuwenig gesprochen wird, während sie im Alltag eines Universitätslehrers viel zuviel Platz beanspruchen.

Wer wirklich Forscher und Lehrer sein will, wird jede Entlastung von diesen unangemessen hypertrophierten Funktionen aufrichtig wünschen.

Es kann gar nicht geleugnet werden, daß Prüfungen in manchen Fällen bewußt genutzt, in vielen Fällen unterbewußt empfunden werden als Instrumente der Herrschaft, der Repression, der Manipulation.

Eine jüngere Kollegin beklagte unlängst öffentlich, daß Examensarbeiten zensiert statt diskutiert würden. Schüler und Studenten erheben den Anspruch, auch dort, wo geprüft wird, mitzubestimmen. Eingeschüchterte Professoren üben appeasement, indem sie auf die vor ein paar Jahren noch freudig begrüßten Zwischenprüfungen oder auf lästige Qualifikationsnachweise (wie Physik für Mediziner oder Latein für Romanisten) verzichten. Das Unbehagen treibt sonderbare Blüten; aber ist darum nicht weniger verständlich, berechtigt.