Seine Sorge über die „ernste und tiefe Krise“, in der sich die Sechsergemeinschaft befinde, hat am Dienstag Jean Rey ausgedrückt, der als Präsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaften seinen ersten Jahresbericht vorlegte.

Dieser Eindruck hatte sich bereits auf der Ministerratssitzung am vorigen Sonnabend in Brüssel durchgesetzt. Bundesaußenminister Brandt trug die „deutschen Vorschläge für die handelspolitische und technologische Zusammenarbeit zwischen den europäischen Gemeinschaften und anderen europäischen Ländern“ vor, die den Beitritt zur EWG beantragt hatten.

Das Ergebnis, so zeigte sich, war mager ausgefallen: Brandt sprach nicht mehr von einer Freihandelszone, sondern nur noch von einer „europäischen Präferenzzone“, die die EWG und die beitrittswilligen Länder umfassen soll. Der Abbau von Handelsschranken werde aber nicht zu einer Beitrittsautomatik führen.

Bonn konnte gegen den Widerstand Frankreichs nicht einmal durchsetzen, daß die europäische Kommission mit der Ausarbeitung konkreter handelspolitischer Vorschläge betraut wurde. Sie soll lediglich eine Stellungnahme abgeben dürfen, wenn sich der EWG-Ministerrat am 5. April zur nächsten Sitzung trifft.