Unser Kritiker sah:

ROSENBLUMENDELLE

Schauspiel von Günter Rudorf

Stadttheater in Ingolstadt

Einer der architektonisch gelungensten unter den deutschen Theaterneubauten gewinnt in seinem Spielbetrieb erst unter dem zweiten Intendanten allmählich Profil. Die Uraufführung, die jetzt in dem schönen, modernen Haus einem deutschen Autor des Volksstückes bereitet wurde, dessen dramaturgische Entwicklung aus dem Manuskript und die Inszenierung sind das Verdienst des Intendanten Heinz Joachim Klein.

Günter Rudorf (1921 in Essen geboren) trat vor zwölf Jahren mit seinem dramatischen Erstling, ebenfalls von Klein inszeniert, in Mannheim hervor. „Die Stunde der Unschuldigen“ behandelte damals die deutsche Teilung, gelangte aber mit plakativen Losungen nicht über das politische Kabarett hinaus. Sein Fernsehspiel „Die erste Lehre“ (1963) schlägt am Beispiel eines von den sechstausend unehelichen farbigen Besatzungskindern deutscher Staatsangehörigkeit ein Nachkriegsthema an, es erinnert an den Andri in Max Frischs „Andorra“. In Rudorfs zweitem Bühnenstück wurde die Not seiner engeren Heimat zum Thema: die Stillegung von Zechen im Ruhr-Revier.

Rosenblumendelle hieß ein Kohlenbergwerk an der Stadtgrenze zwischen Essen und Mülheim, voriges Jahr wurden seine letzten Schornsteine gesprengt. Das Stück spielt an dem Tag, als das Ende von Rosenblumendelle bekannt wird.