Von Kurt Becker

Der Hamburger CDU-Bundestagsabgeordnete Erik Blumenfeld hat Anfang dieser Woche in offener Feldschlacht sein Amt als Landesvorsitzender der Unionspartei verloren. Ihm ist es ergangen, wie in letzter Zeit so manchem Landesherzog. Der Schlag kann ihn auch nicht völlig unerwartet getroffen haben. Mancherlei Kritik an seiner legeren Amtsführung hatte sich zusammengebraut. Sie brachte schließlich einen Mann zu Fall, der zu den überaus wenigen Politikern gehört, die der CDU in Hamburg überhaupt erst Farbe gegeben haben. Seit vielen Jahren ist er der einzige Unionspolitiker der Hansestadt, der auch nach außen und vor allem in Bonn von sich reden machte – meist durch eigenwillige Ansichten.

Doch rettete ihn das selbst nach zehnjähriger Amtsführung nicht vor der Niederlage: Sein Nachfolger, der CDU-Bundestagsabgeordnete Dietrich Rollmann, erhielt bei der Wahl zwölf Stimmen mehr. Zum dritten Male innerhalb eines knappen Jahres mußte Blumenfeld damit einen Platz in der Parteihierarchie räumen. Anfang vorigen Jahres fiel er bei der Wahl zum Fraktionsvorstand im Bundestag durch, und bald darauf mußte er auch seinen Sitz im Bundesvorstand der CDU aufgeben, der damals halbiert wurde.

Die frischeste Wunde muß ihn am meisten schmerzen; denn Blumenfeld, der in diesem Jahr 53 Jahre alt wird, unterlag einem um siebzehn Jahre jüngeren Mann, dem örtlichen Wahlkampfleiter – einem Gschaftlhuber ohne das Mark einer politischen Figur. Die kühne Vorstellung freilich, daß Rollmann künftig das liberalkonservative Bürgertum in Hamburg politisch repräsentieren und die Alternative zu den etablierten Sozialdemokraten personifizieren könnte, will nicht einmal jenen gelingen, die ihn auf ihren Schild gehoben haben. Auch Rollmann nicht. Aber als bloße Gallionsfigur, als Spitzenkandidaten für die künftige Landeswahl, wie man es ihm angetragen hatte, will Blumenfeld sich nicht hergeben. Darauf hatte er auch schon vor der Wahl hingewiesen, in dem Glauben, dadurch das Zünglein an der Waage zu seinen Gunsten bewegen zu können. Vergeblich, die Kritik an Blumenfelds häufiger Abwesenheit und sein geringes Interesse an einer straffen Führung des Parteiapparats überwog.

Gleich nach dem Kriege war Blumenfeld mitten hineingesprungen in die Politik. Schweres Schicksal lag hinter ihm. 1941 wurde er, des Arierparagraphen wegen, aus der Wehrmacht entlassen und ein Jahr später ins Konzentrationslager geworfen. Auschwitz, Buchenwald und Berlin waren die Stationen. Nie erwähnt Blumenfeld diese Jahre.

Im Hamburger Landesparlament war Blumenfeld bis 1955 Fraktionsvorsitzender, legte dann aber über Nacht alle Ämter nieder, um eine Kollision mit dem damaligen Bürgermeister Sieveking abzuwenden. Erst 1958 kehrte er zurück: als Landesvorsitzender – ein Amt, das ihm den Weg in die Bundespolitik ebnete. 1961 ging er in den Bundestag. Blumenfeld gehörte schon früh zu den Bewunderern Konrad Adenauers. Auch der alte Herr hatte an dem vierzig Jahre jüngeren Parteifreund Gefallen gefunden. Aber später, nach dem Rückzug des Kanzlers aus der Präsidentenkandidatur und wegen Adenauers vehementer Kampagne gegen Willy Brandt und die SPD, kühlte das Verhältnis ab, und Blumenfeld wurde fortan Verfechter einer Ablösung durch Ludwig Erhard.

Von den vorherrschenden Stimmungen machte Blumenfeld sich nie abhängig. 1959 war er es, der zusammen mit dem Ministerpräsidenten Altmeier im CDU-Bundesvorstand Heinrich Lübke als Bundespräsidentenkandidat vorschlug – um dem Hick-Hack ein Ende zu bereiten, wie er heute sagt. Doch fünf Jahre später kämpfte er allein auf weiter Flur leidenschaftlich gegen Lübkes Wiederwahl.