Obwohl sich in der Vorwoche die Gerüchte über eine Goldpreisänderung, über Währungsauf- und -abwertungen häuften, blieben die deutschen Aktienmärkte frei von jeglicher spekulativer Hektik. Lediglich an der Zurückhaltung des Börsenberufshandels, an seiner ungewöhnlichen Vorsicht war zu merken, daß an der „Währungsfront“ wieder einmal hart gerungen wurde.

Als an dem „kritischen“ Wochenende dann die in Basel tagenden Notenbankpräsidenten erklärten, der Goldpool würde seine Aufgabe, den Goldpreis zu stützen, auch weiterhin erfüllen, traten an den deutschen Aktienmärkten wieder konjunkturelle Gesichtspunkte in den Vordergrund. Daß nach dem so optimistisch kommentierten Jahresabschluß der August Thyssen-Hütte sofort die Montanaktien nach vorn drängten, lag auf der Hand. Denn wohl in keinem anderen Industriezweig werden: die Gewinne so steigen wie bei den Eisen- und Stahlunternehmen. Allerdings sollte bei aller Hochstimmung bedacht werden, daß einige Konzerne in den letzten beiden Jahren von ihrer Substanz zehren mußten.

Es kam zu der seit Wochen beschworenen Montan-Hausse; sie griff schließlich auch auf andere Marktgebiete über, wo Fonds und andere Großanleger an schwachen Börsentagen das Material preiswert kassiert hatten, so daß die Käufer etzt höhere Preise zahlen mußten. Siemens-Akten erreichten dabei einen neuen Nachkriegshöchstkurs.

Mit Spannung wird auf den Start des deutchen IOS-Fonds gewartet, dessen Zertifikate erstmals am 20. März verkauft werden sollen. In Börsenkreisen will man wissen, daß Verkäufe für diesen Fonds zur stabilen Tendenz der letzten Tage wesentlich beigetragen haben. Der Investor-Fonds, so heißt das neue Kind der panamesischen Investors Overseas Services, wird seine Anlagen aber keineswegs auf deutsche Werte allein konzentrieren, sondern ähnlich wie sein Schwesterfonds IIT international wirken. Dabei können bis zu 30 Prozent des Fonds-Vermögens in Geldmarkttiteln und Bankguthaben angelegt werden, eine Position, die in Zeiten fallender Kurse bedeutsam werden wird.

Vorerst sieht es an den deutschen Börsen jedoch nicht nach Baisse aus. Obwohl ein von Tag zu Tag wachsender Teil der deutschen Aktienbesitzer sein; im vergangenen Jahr erworbenen Papiere veräußern kann, ohne den inzwischen erzielten Kursgewinn versteuern zu müssen, hielten sich die Abgaben aus diesem Bereich in bemerkenswer: engen Grenzen. Die Bankenkundschaft glaubt an die These, daß die Börsentendenz niemals zu Beginn eines konjunkturellen Aufschwungs „kippt“, sondern erst in seinem letzten Drittel.

Daß es immer wieder Rückschläge geben wird, ist unvermeidlich. Keine Aufwärtsbewegung vollzieht sich gradlinig. In der jüngeren Vergangenheit wurden die Besitzer von Bauaktien enttäuscht, die Verluste erlitten, als der Tarbela-Auftrag für die Bundesrepublik verlorenging.

K. W.