Von Werner Höfer

Wer es las, rieb sich die Augen. Da hatte ein deutscher Fernsehkameramann, gerade mit heiler Haut und harten Filmen aus Saigon heimgekehrt, Bestürzendes berichtet – sowohl über die Entstehung als auch über die Wirkung der amerikanischen Bildschirm-Kriegsberichterstattung (ZEIT, Nr. 8, „Krieg auf der Mattscheibe“).

Jetzt, drei Wochen später, wurden andere Zeugenaussagen nachgeliefert, die dem deutschen Reporter nicht nur recht geben, sondern seine Reflexionen sogar als Untertreibungen erscheinen lassen. Da hat das Magazin „U.S. News and World Report“ durch eine kleine Volksbefragung herausfinden wollen, welche Wirkung der „Wohnzimmer-Krieg“ auf die amerikanische Bevölkerung ausübe.

Glaubwürdigkeit, Einseitigkeit und Langeweile: das sind beherrschende Kriterien, um die es bei der Analyse der Wirkung des „Mattscheiben-Krieges“ geht. Für viele Amerikaner hat sich der „Glaubwürdigkeitsabstand“, der Unterschied zwischen den Erklärungen durch die Regierung und der Begegnung mit der Wirklichkeit, vergrößert.

Zur Einseitigkeit äußert sich eine Mutter, deren Sohn in Vietnam steht: „Es ist absurd, uns zu beschweren, daß wir keine Bilder von dem sehen, was die andere Seite tut... Wie viele Bilder haben wir gesehen von unseren Soldaten, wie sie ein Dorf dem Erdboden gleichmachen.“

Daß ein Volk aus Langeweile die Lust am Krieg verlieren kann: Das ist eine Wirkung, die sowohl der besondere Charakter des Vietnamkonflikts als auch die spezielle Beschaffenheit des amerikanischen Fernsehens herbeiführen. Dafür spricht das Zeugnis eines Zeitungsreporters aus Chikago: „Mir hängt das zum Halse heraus. Zugegeben: Das ist eine schlimme Sache. Aber die Fernsehberichterstattung langweilt mich. Ich glaube, daß die Leute bald sagen werden: In Gottes Namen, das dauert nun schon so lange, hört auf damit!“

Ein Anzeigenmann aus Riverside in Connecticut, branchenblind oder branchengläubig, kommt auf die zynische Formel: „Das dauert zu lang. Es ist, unglücklicherweise, fast wie Werbefernsehen.“