Von Wolfram Siebeck

Die weiteren Aussichten für übermorgen: Zunehmende Schauertätigkeit; kühl“, schrieb Dr. Curth, der Wetterexperte des Westdeutschen Rundfunks und zog das Blatt aus der Maschine. Dann schickte er es in die Nachrichtenredaktion.

Eine Stunde später klingelte das Telephon auf seinem Schreibtisch. Der Chefredakteur war am Apparat. „Hören Sie, Curthchen, Sie haben da für übermorgen schlechtes Wetter angekündigt. Sind Sie ganz sicher? Sie wissen doch, der Kanzler hat übermorgen Geburtstag!“

„So, hat er? Es tut mir leid, das atlantische Tief kommt bestimmt. Will er einen Ausflug machen?“ – „Ach nein, es ist nur, die Regierung hätte lieber Sonnenschein, Kanzlerwetter, verstehen Sie?“ – „Kann ich leider nicht ändern. Vielleicht im nächsten Jahr.“ – „Hm, na, wir wollen sehen...“ Der Chefredakteur hängte ein.

Dr. Curth schüttelte den Kopf und ging den Laubfrosch füttern. Er spürte gerade seinen Ischiasnerv, als der Intendant anrief.

„Hallo, Doktor, ich höre da, Sie haben für übermorgen schlechtes Wetter angekündigt. Läßt sich da nichts machen? Sie wissen doch, der Geburtstag, und da sollten wir uns etwas loyaler zeigen...“ – „Leider, leider, Herr Intendant. Ich sagte schon dem...“ – „Ich weiß, ich weiß. Aber gibt es nicht irgendwo ein Zwischenhoch, eine kleine Hoffnung auf Sonnenschein?“ – „Nichts zu machen, Herr Intendant. Hagel ist wahrscheinlicher!“ – „O weh, das könnte Ärger geben.“

Der Intendant hängte ein. Dr. Curth trat ans Fenster und musterte verstimmt den Himmel.