Hierarchische Beziehungen sind nicht an sich unfrei; Zivilisation und Kultur beruhen zu einem großen Teil auf einer durch Wissen, Können und Notwendigkeit begründeten Autorität, deren Ziel es ist, das Leben zu beschützen und zu erhalten. Hier müssen wir uns wieder an den Unterschied zwischen Unterdrückung und zusätzlicher Unterdrückung erinnern. Herbert Marcuse

Monumental

An einem Entwurf für ein Karl-Liebknecht-Monument arbeitet gegenwärtig der Ostberliner Bildhauer Theo Bälden. Das Denkmal soll zum 20. Jahrestag der DDR in Luckau aufgestellt werden. Die Plastik, die im Original 3,50 Meter hoch ist, wird den Mittelpunkt der Neugestaltung des Zentrums von Luckau bilden. Ob da der Personenkult durch die Hintertür wieder hineinkommt?

Neuestdeutsch

Die Bezeichnung „Neuhochdeutsch“ für das, was wir hierzulande heutzutage sprechen und schreiben, ist falsch. 75 Sprachforscher aus dem In- und Ausland argwöhnten es, ein mit je 50 000 Sätzen aus populärwissenschaftlichen Publikationen und aus Zeitungsartikeln gefütterter Computer bestätigte es: Die Sprache Luthers und Goethes ist nicht mehr die unsrige. Drei Hauptschuldige wissen die Gelehrten aufzuzählen: die Industriegesellschaft, die moderne Verwaltung und die Presse. Und es gibt auch bereits eine neue Leistungsskala: Der Fachmann bildet Sätze aus 16 Wörtern, der „gute“ Journalist leistet sich immerhin 13 bis 14 Wörter pro Satz, nur ein „deutsches Boulevardblatt“ glaubt, mit fünf Wörtern für den Durchschnittssatz auszukommen. Nichts ausgesagt wurde über die Vermutung, daß in dieser Leistungstabelle die Verfertiger moderner „Durchführungsverordnungen zu Artikel X des Gesetzes zum Schutze des ...“ unschlagbar an der Spitze rangieren werden. Auch ein Name für das neue Industriepresse-Verwaltungsdeutsch ist noch nicht gefunden.

Schulmusik

Jede Stadt mit mehr als 20 000 Einwohnern solle eine eigene Musikschule erhalten, und in jeden Ort mit über 5000 Einwohnern gehöre wenigstens eine Außenstelle einer solchen Schule – diese Forderung enthält ein Plan des „Verbandes deutscher Musikschulen“. 237 solcher Institute existieren nach der Aufstellung bereits, aber 362 Schulen und 411 Außenstellen müßten noch errichtet werden. Der Verband hat sich auch bereits über Größe, Form und Ausrüstung der Schulen, ja selbst über eine mögliche Finanzierung der Institute, die „der Ergänzung des schulischen Musikunterrichts“ dienen sollen, Gedanken gemacht. Wie man allerdings die Kinder, vor allem auch die Erwachsenen in diese Institute hineinbekommt, ob Singen, Flöten und Trommeln heute noch der aktuellen Musik adäquate Methoden sind und welche Rolle die modernen Medien Platte und Tonband hier spielen – darüber mag man im Verband nicht so gern nachdenken.