Zur Zeit ist in unseren Kinos einer jener prächtigen Hollywood-Filme zu sehen, durch die in großen Schlitten Gangster schaukeln. Er heißt „Point Blank“, und in der Geschichte, die er erzählt, legen Gangster Gangster um: Lee Marvin, der übers Ohr gehauene Einzelgänger, begleicht eine alte Rechnung, die sich auf dreiundneunzigtausend Dollar und ein Mädchen beläuft.

Die alte Geschichte also.

Aber sie hat eine erstklassige Pointe: Lee Marvin muß entdecken, daß sich in der Zeit, in der er gesessen hat, die Zeiten geändert haben. Er kommt und kommt an sein Geld nicht ran, weil dreiundneunzigtausend Dollar eine Sache sind, dreiundneunzigtausend Dollar in bar aber eine andere. Die großen Schlitten entpuppen sich als Dienstwagen mit Chauffeur, in denen illiquide Abteilungsleiter durch die Gegend schaukeln.

Und der Film hat eine Pointe, die noch besser ist: Wem der Luxusschuppen da gehöre, fragt Lee Marvin und zeigt auf ein Hotel, in dem sich einer verkrochen hat, hinter dem er her ist. Dem Syndikat, ist die Antwort, und zu sehen ist ein Millionen-Dollar-Hotel, das genau so, wie es zu sehen ist, irgendwo in Kalifornien herumsteht.

Wir haben uns daran gewöhnt, daß Filme, die von Gangstern handeln, in Kalifornien spielen. Filme, die von Gangstern handeln und nicht in Kalifornien spielen, sind meist ihr Geld nicht wert, so sehr haben wir uns daran gewöhnt. Wir wollen in Filmen, in denen Gangster Gangster umlegen, Kalifornien und die großen Schlitten sehen, in Farbe natürlich. Wir haben uns an die Besatzungsmacht Hollywood gewöhnt.

Klaus Lemke zum Beispiel will dagegen etwas unternehmen. Aber es wurmt ihn dabei doch, wenn sein Produzent es nicht schafft, an die ganz großen Schlitten ranzukommen, die Klaus Lemke so gern, wenn auch nur surrogatweise, durch seine Filme schaukeln sehen will.

Jean-Luc Godard sagt, es gelte, dem amerikanischen Kino-Imperialismus im Kino ein Vietnam zu bereiten, Filme gegen Hollywood zu drehen.