DIE ZEIT

Warum sie rebellieren

In diesen Tagen, in denen westliche Korrespondenten in Prag sind, um die Revolution in einem kommunistischen Land zu studieren, besuchte uns in Hamburg ein Chefredakteur aus einem osteuropäischen Land, der die Rebellion der Studenten in der Bundesrepublik studieren will.

Durchhalte-Trotz

Präsident Johnson, immer härter bedrängt von Widersachern im Lager der gegnerischen wie auch der eigenen Partei, scheint sich, was den Krieg in Vietnam angeht, mehr und mehr in eine Trotzhaltung zu verbeißen.

Ostpolitik – nicht erfolglos

George Kennan sagte vor ein paar Wochen, als ich ihn in New York sah: „Willy Brandt kann angesichts von Ulbrichts Reaktion auf die neue Bonner Ostpolitik ja wirklich eine gewisse Genugtuung empfinden.

Nach dem Goldrausch

Eine Weltmacht wurde in die Knie gezwungen. So große Mühe sich die Notenbankpräsidenten auch geben, die Entscheidung von Washington als Festigung des geltenden Währungssystems zu rühmen – sie bedeutet die Kapitulation der Vereinigten Staaten vor der internationalen Goldspekulation.

ZEITSPIEGEL

„Wenn man alle Schriften inkriminieren würde, in denen Aufforderungen zu strafbaren Handlungen stehen und die vielfältige Auslegungen zulassen, dann müßten 90 Prozent aller Literaturwerke, selbst die Bibel, auf dem Richtertisch liegen.

Wolfgang Ebert:: Ausschlüsse

„Weil sie keine Ahnung haben. Es nützt dem Prestige der SPD ungemein. Eine Partei, die es sich leisten kann, Mitglieder auszuschließen, zeigt doch deutlich, daß sie eine große Partei ist, die aus dem vollen schöpfen kann.

Unnützer Abschied

Wer sich die Mühe machte, eine „Kunst des Rücktritts“ zu schreiben, würde seinen Lesern sicher unterhaltsame Stunden bereiten.

Duell mit Johnson

Wenn sich Charisma wie Butter im Eisschrank konservieren und je nach Bedarf frisch auftragen ließe, müßten Senator Robert Kennedy große Aussichten eingeräumt werden, Präsident Lyndon Johnson im Kampf um die Nominierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten im August zu schlagen – oder wenigstens ernstlich in Bedrängnis zu bringen.

Sperrfeuer gegen den Sperrvertrag

Es scheint, als ließe sich die Bonner Generaldebatte über die deutsche Unterschrift unter den Atomsperrvertrag nicht mehr lange künstlich verzögern.

Knabbern an Tabus

Die Große Koalition streitet sich wieder um ihre Deutschlandpolitik, gedämpft noch, aber deutlich. Das Thema birgt Sprengstoff, weil die Sozialdemokraten es neben der Wirtschaftspolitik zum Maßstab ihrer Regierungsleistung machen.

-- Von ZEIT zu ZEIT --

Nach stürmischem Beginn billigte der Nürnberger SPD-Parteitag mit 60 Prozent nachträglich die Große Koalition. Eine Sitzung des SPD-Schiedsgerichts über den Parteiausschluß der Berliner Politiker Harry Ristock und Erwin Beck blieb ohne Ergebnis.

Atom-Sperrvertrag vor den UN

Die Atomweltmächte sind ihrem Ziel, die weitere Ausbreitung von Kernwaffen vertraglich zu verhindern, einen entscheidenden Schritt nähergekommen.

Harte Kontroversen beim SPD-Parteitag

Die Prognosen für den Nürnberger SPD-Parteitag haben sich bestätigt. Die Auseinandersetzungen waren hart; die Parteiführung geriet sogar schon am ersten Tag in die Gefahr einer Abstimmungsniederlage.

Browns Abgang

Das erste Opfer der Goldkrise wurde Englands Außenminister George Brown. Er erklärte zwölf Stunden nach der Schließung des englischen Goldmarktes seinen Rücktritt und ließ durchblicken, daß er die Entscheidung der Regierung Wilson nicht mehr mitverantworten könne, denn „Macht kann leicht nicht nur vom Kabinett auf ein oder zwei Minister überwechseln, sondern auch auf Stellen außerhalb der politischen Kontrolle“ – eine Anspielung auf die Großbanken.

Gespaltenes Gold

Die Spekulanten waren diesmal stärker. Am Freitag vergangener Woche mußte der internationale Goldpool seine Versuche aufgeben, den seit 1931 bestehenden Goldpreis von 35 Dollar je Feinunze durch Abgaben aus den Währungsreserven seiner Mitgliedsländer weiter zu stützen.

Namen der Woche

Philip Blaiberg, 58, südafrikanischer Zahnarzt, wurde aus dem Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt entlassen – 74 Tage nachdem ihm Professor Christiaan Barnard das Herz des Farbigen Clive Haupt eingepflanzt hatte.

Frischer Wind in der SPD

Rechtzeitig zum sozialdemokratischen Parteitag in Nürnberg hat die junge Mannschaft der Partei, die jetzt oder in den kommenden Jahren in die oberen Führungspositionen einrücken will, ihre Perspektiven für die Jahre 1970 bis 1980 formuliert.

Die Miliz der Republikschützer

In Mai will sich das wiederbelebte „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ (mit dem neuen Untertitel „Bund aktiver Demokraten“) auf der ersten Bundeskonferenz seit 1933 eine zeitgemäße Satzung geben (s.

Der Rebell

Wir sind einem guten, lieben Freunde nach Jahrzehnten wiederbegegnet. In der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte kam, es war wohl im Januar 1933, das Buch über Heinrich Braun zu uns auf den Redaktionstisch.

Mann ist Maß

Zu allen Zeiten sind Klagen darüber laut geworden, daß zu wenig oder gar keine Staatsmänner vorhanden seien. Erst einige Generationen später wird der hohe Wert der meisten in der Leitung des Staates wirksamen Persönlichkeiten erkannt und gewürdigt.

Recht in unserer Zeit: „So allein?“

Zwei Damen, tätig in einem nicht verbotenen, aber trotz Besteuerung geringgeschätzten Beruf, fuhren im November 1965 gegen 10 Uhr 30 über den Frankfurter Kaiser-Platz.

Neuauflage des Reichsbanners

Es begann mit einer kleinen Notiz auf der vierten und letzten Seite der Februar-Ausgabe eines Blattes Namens „Das Reichsbanner“: „Land Bayern.

Kölns bestes Stück

Als religiöser Mensch hatte er seine Rechnung mit dem Himmel schon vor Jahren bei der Bruchlandung in Hongkong gemacht. Ein makabres Schicksal wollte, daß dieses Flugunglück im Deutschen Fernsehen rekapituliert wurde, als aus Afrika die Nachricht eintraf, daß er zum zweitenmal abgestürzt war: am 31.

Es geschah im VW

Im November 1962 sei es passiert, sagt das Mädchen, in einem Volkswagen, auf dem Rücksitz, der Polizist sei es gewesen, mit Gewalt, sie habe sich gewehrt nach Kräften, doch vergeblich, Aber das sagte das Mädchen zum erstenmal, als es schon im sechsten Monat und nichts mehr zu verbergen war, als auch der Trick mit den brav verbrauchten Mutter nicht mehr verfing, mit dem es die Mutter sechs Monate lang täuschte.

Soll man Zeugnisse verbrennen?

Unter der Schlagzeile „Schüler hau’n auf die Pauke: Verbrennt die Zeugnisse“ berichtete eine Hamburger Tageszeitung auf der ersten Seite von einer Aufklärungskampagne des „Aktionszentrums unabhängiger sozialistischer Schüler“ (AUSS) über den Stand der Leistungskontrolle in den Schulen der BRD.

Wallenstein ringt um sein Reich

Die Düsseldorfer Wallenstein-Inszenierung hält sich abseits von jüngsten Experimenten mit Schiller. Ihre Werktreue ist gleichwohl alles andere als museal.

US-Präsidenten spielen Shakespeare

Rolf Hochhuth, der doch so gern historische Größen jüngster Vergangenheit vor sein szenisches Tribunal zerrt, hat seit dem vergangenen Jahr einen Antipoden gefunden: Barbara Garson, deren dramatische Satire auf die Kennedys und die Johnsons jetzt in Stuttgart für Deutschland erstaufgeführt wurde.

Fernsehen: Zweimal Anschluß

Im Gegenlicht überquerten schwarze Reiter und schwarze Pferde den Fluß, am 12. März 1938; die Begeisterung der Österreicher schien unermeßlich zu sein, Frauen lächelten selig, Kinder schwenkten auf den Schultern uriger Älpler die Hakenkreuzfahne, und der Mann aus Braunau meldete, mit verzerrtem Gesicht und im Schreiton des Büttenredners, vor der Geschichte den Eintritt seiner Heimat in das Großdeutsche Reich.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Verdis Kameliendame hieß Violetta Valery. In Puccinis von der Schallplatte wieder ausgegrabener Oper „La Rondine“ nennt sie sich Magda de Civry.

Vietnam auf der Bühne

Frage: „Das Theater theatert alles ein“, der Satz ist von Brecht. Man ist nicht in Vietnam, wenn da ein Schild über der Szene hängt, auf dem „Vietnam“ steht.

Amerikas Kritiker rümpften die Nase

Jetzt muß nur noch die weibliche Hauptrolle besetzt werden. Warren Beatty, der sich mit Leslie Caron überworfen hat, schlägt Nathalie Wood vor, danach seine Schwester Shirley MacLaine.

Fernsehmanieren

Donnerstag, 14. März. Für den Nachmittag sind im 1. Programm des Deutschen Fernsehens Kindersendungen angekündigt: Sechs Fabeln nach La Fontaine, danach ein Abenteuer aus den schottischen Bergen.

Kunstkalender

Die Galerie ist auch nach dem Tod ihres Gründers auf der konstruktivistischen Linie geblieben, die von den beiden belgischen Malern allerdings unterschiedlich vertreten wird: Delahaut hantiert elegant und farbig mit Kurve und Gerade, Verdren erreicht durch schattierte Schwarzflächen, die von prismatischen Lichtbündeln aufgespalten werden, den ungleich stärkeren Effekt.

Des Syndikats own country

Zur Zeit ist in unseren Kinos einer jener prächtigen Hollywood-Filme zu sehen, durch die in großen Schlitten Gangster schaukeln.

Sich legen bringt Segen

Genüßlich räkelt die nackte Jugendstilmaid ihre kurvenden Glieder auf dem Kanapee. Woran denkt die liebe Kleine? Natürlich an die Mehrwertsteuer.

ZEITMOSAIK

Das erste deutsche Buchhändlerseminar, vom Börsenverein des deutschen Buchhandels zur „Fortbildung fähiger junger Buchhändler und Verleger“ veranstaltet, ging in der vergangenen Woche nach einmonatiger Dauer zu Ende.

FILMTIPS

„Ein Liebesfall“. Von Dušan Makavejev. Eingelassen in Vorträge eines Sexual- und eines Kriminalwissenschaftlers, durchsetzt mit revolutionären Liedern und Filmbildern der ganz private, gesellschaftlich scheinbar irrelevante Fall zweier Menschen, die von ihren verwirrten Gefühlen und blinden Instinkten ins Unglück getrieben werden.

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