Ich habe ohne Rücksicht auf Hilmar Hoffmann und sein Festival, das auf das Geld von Leuten angewiesen ist, denen es sicherlich nicht gefällt, daß in der Oberhausener Stadthalle, womöglich vor allen möglichen Exzellenzen, ein Film wie "Besonders wertvoll" läuft, für diesen Film gestimmt, weil ich hoffe, daß wir ein Stück weiter sind, wenn ein Filmemacher wie Hellmuth Costard auf einem arrivierten Festival wie Oberhausen mit einem Film wie "Besonders wertvoll" zu Wort kommen kann, denn "Besonders wertvoll" ist ein Film, der Mut macht, Filme zu machen ohne die Toussaints und Lohmars und gegen sie.

Hellmuth Costard hat begriffen und führt diese Einsicht so drastisch wie exemplarisch vor, daß wir keine Zeit mehr haben, auf Geld zu warten, um eine Geschichte wie die, die er in "Besonders wertvoll" erzählt, als richtige Geschichte und mit einem richtigen Hauptdarsteller erzählen zu können, wenn es wichtig ist, sie sofort zu erzählen.

Das heißt, daß es gilt, erschwingliche Formulierungen zu erfinden: Der Hauptdarsteller in "Besonders wertvoll" ist eine solche Erfindung.

Aber "Besonders wertvoll" ist nicht nur eine schöne Erfindung.

Ich habe für "Besonders wertvoll" gestimmt, weil Hellmuth Costard außerdem noch zeigt, wie kulturpolitische Filme aussehen müssen, wenn sie etwas ausrichten wollen.

Wir haben keine Zeit mehr zu argumentieren. Wir haben erfahren müssen, daß Argumente zur Zeit nichts ausrichten. Wir brauchen darum Filme, die Argumente sind: "Besonders wertvoll" ist ein solcher Film.

Er ist das vorläufige chef d’oeuvre des deutschen Untergrundkinos. Er wird etwas ausrichten, obwohl kein Verleih ihn kaufen, kein zugängliches Kino ihn zeigen wird, denn das wäre schon etwas: ein Film, der sich nicht in unseren Kulturbetrieb integrieren läßt, der die andere Seite zwingt, Farbe zu bekennen, nicht liberal zu reagieren, wie sie möchte, sondern autoritär, wie sie muß, wenn es ernst wird.