Während er im letzten Herbst in Zürich Max Frischs „Biografie“-Spiel probte, meldete der Regisseur Rudolf Noelte beim Autor eine wachsende Zahl von Änderungswünschen an: Wünsche auf Weglassungen, Entschweizerung der Dialoge, stilistische und grammatikalische Modifikationen. Frisch akzeptierte sie – teils gern, teils, als sie sich häuften, widerstrebend. Aber er wollte die Aufführung nicht gefährden.

Dann jedoch, als ihm klar wurde, daß sein Stück sich unter der Hand verwandelte, ging seine Geduld zur Neige. Das Ende ist bekannt: Es kam zum Bruch zwischen ihm und Noelte, eine vielversprechende Zusammenarbeit wurde unrühmlich liquidiert, und drei Monate später wurde die „Biografie“ unter Leopold Lindtbergs Regie in Zürich uraufgeführt.

Nicht abgeschlossen war jedoch die Affäre Noelte. Der Regisseur hatte beim Landgericht Berlin eine Einstweilige Verfügung beantragt, um die deutschen Aufführungen der „Biografie“ zu verhindern; weiter strengte er eine Klage gegen Frisch und den Suhrkamp Verlag an, um in der Buchausgabe als Bearbeiter genannt zu werden und sich Schadenersatzzahlungen zu erwirken. Seitdem droht den Aufführungen der „Biografie“ das Verbot.

Es droht nicht mehr. Am letzten Montag entschied das Westberliner Landgericht, die von Noelte angeregten und von Frisch übernommenen Änderungen (ausgezählt: 238 Stück) seien so minimal, daß sie keine schutzfähige Bearbeitung im Sinne des Urheberrechts darstellten.

Noeltes Klage hatte zwar Lektoren und Redakteuren ganz neue Perspektiven eröffnet. Es gehört schließlich zu ihrem Handwerk, Änderungen an Texten anzuregen und vorzunehmen: Sollte es ihnen jetzt möglich gemacht werden, dafür bei den Autoren, die sich, von ihnen meist eher vergewaltigt fühlen, auch noch zu kassieren? Es sollte nicht; und das scheint auch die bei weitem vernünftigere Lösung. D.E.Z.