Unser Kritiker sah:

VIER EINAKTER

(Raining Water)

von Robert Anderson

Kammerspiele der Nürnberger Städtischen Bühnen

Was am Broadway von New York Erfolg hatte, das gelangt – weil es als todsicheres Theater gilt – alsbald auf deutsche Bühnen. Der neue Einakter-Abend hingegen gleicht einem auf den Namen Anderson ausgestellten Wechsel. Ist er gedeckt? Die führenden Boulevard-Theater in Berlin und München nahmen ihn bisher nicht entgegen. Für Subventionstheater mag das Sortiment aus vier Stückchen die zwecks Abwechslung gesuchte Unterhaltung sein. Das Düsseldorfer Schauspielhaus kaschierte seine deutsche Erstaufführung unter dem Haupttitel "Vier Stücke für Samstagabend". An den Nürnberger Kammerspielen heißt dieselbe Kollektion nach einem Satz aus dem ersten Einakter: "Du weißt doch, daß ich dich nicht verstehen kann, Liebling, wenn das Wasser läuft." Die Zwitterhaftigkeit der Titelgebung ist bezeichnend.

Gelacht habe ich während der ersten zehn Minuten: Ein Theater-Producer will einem seriösen Schriftsteller eine Schockszene des "Sich-Erkennens" ausreden. Darin soll ein splitternackter Mann mit einer Zahnbürste in der Hand aus der Badestube in das Schlafzimmer seiner Frau tretend den ominösen Satz sprechen: "Du weißt doch..." Über die Anstößigkeit des unerwarteten Anblicks setzt sich nur ein Schauspieler hinweg, der alles zu spielen bereit ist, wenn er von dem Produzenten nur eine Rolle bekommt. Das ist reiner Schwank.