DIE ZEIT

Ein Bundeskultusminister

Die Regierung der Großen Koalition könnte ihre Existenz (mehr noch oder endlich einmal – hier gehen die Meinungen auseinander) rechtfertigen, wenn sie sofort die Konsequenzen zöge aus den Erkenntnissen eines der Ihren, des Bundesschatzministers Kurt Schmücker, der auf einem CDU-Parteitag in Bad Harzburg die Institution eines Bundeskultusministeriums forderte.

Brandfackeln des Hasses

Der Anwalt der Gewaltlosigkeit, der den Namen des großen Protestanten trug – Martin Luther King –, ist tot. Ein Weißer mordete den Schwarzen.

Die erste Meile

Wer einen Weg von tausend Meilen gehen will, der muß mit einer Meile anfangen, sagt ein chinesisches Sprichwort. Die Kriegsparteien in Vietnam haben jetzt den ersten Schritt aufeinander zu getan.

Staatsräson?

Vagelis Tsakiridis, der in Westberlin lebende griechische Bildhauer und Dichter, wollte Deutscher werden. Der Berliner Senat im Verein mit dem Bonner Innenministerium lehnte seinen Antrag ab.

Ihr Glück ist eine gelbe „Corvette“

Dies ist kein üblicher Frontbericht aus Vietnam. Er schildert die Erlebnisse eines amerikanischen Mädchens, das „Erholungs-Helferin“ wurde, mit den Soldaten in der Etappe.

Fehlschlag im All

Die schwarzen Sorgen im Lande relativieren alle anderen Fehl- und Rückschläge; und so ist die Frage, ob die Amerikaner „in den Mond dicker“, wenn sowjetische Astronauten ihn betreten werden, in diesen Tagen durchaus nicht brennend.

ZEITSPIEGEL

„Wenn wir auf die letzten 20 Jahre zurückblicken und Bilanz ziehen, finden wir viele Dinge, auf die wir stolz sein können. Wir können sagen, daß wir nicht umsonst gelebt haben.

Fünf Prozent sagten nein

Die Überraschung kam im Wahllokal, als die Bürger der DDR am vergangenen Sonnabend einen richtigen Stimmzettel in die Hand gedrückt bekamen – mit einem Ja-Kreis und einem Nein-Kreis.

Komödienspiel mit dem Wahlrecht

Die Wahlrechtsreform ist tot, es lebe die neue Wahlrechtsreform! Kaum ist Innenminister Lücke zurückgetreten, weil er sich bei seinen Bemühungen um ein Mehrheitswahlrecht von den Sozialdemokraten im Stich gelassen fühlte, wird ein neuer Vorschlag der SPD-Wahlrechtskommission als Ei des Kolumbus angepriesen: Verhältniswahl in Viererwahlkreisen.

Links-Ausrutscher

Der sozialdemokratische Pressedienst hat ein seltenes Kunststück fertiggebracht. Er hat sich den Zorn der Kommunisten und Christlichen Demokraten in Italien zugezogen, den Argwohn der CDU geweckt und einen Rüffel von der eigenen Partei bezogen.

Wo bleibt das Konzept?

Ein neues europäisches Sicherheitssystem? Allenthalben werden Pläne verfaßt – nicht jedoch in der Bundesrepublik. Mit der Möglichkeit einer europäischen Sicherheitskonferenz hat sich der Bundestag auch in seiner viertägigen Etatdebatte vor der Osterpause beschäftigt.

Rückzug aus Asien

Der Leiter der britischen Delegation bei der Tagung des Südostasienpaktes, George Thomson, war darauf gefaßt gewesen, harte Worte der Verbündeten über Englands Rückzugsabsichten „östlich von Suez“ zu hören.

Gewinner de Gaulle

General de Gaulle hätte es gern gesehen, wenn die erste Runde offizieller Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Nordvietnam nach Paris verlegt worden wäre.

Blitzaktion der Kandidaten

Die amerikanischen Präsidentschaftkandidaten reagierten auf die Veränderungen der vergangenen Woche mit geradezu artistischem Geschick, um sich dem schnellen Wechsel der Szenerie anzupassen.

Neues Kabinett - alte Gesichter

Kabinettsumbildungen, so klagte der Londoner Observer, drohen zu einem nationalen Ritual zu werden. „Ungefähr alle sechs Monate scheinen der jeweilige Premierminister, die Öffentlichkeit, die Presse und das Fernsehen dem nervös bedingten Zwang zu unterliegen, nun müßten sie wieder einmal einen Wechsel auf den bedeutenden Kabinettsposten erleben.

Reform des Innenministeriums?

Das Bundesinnenministerium ist nicht nur eines der größten Ministerien. Wegen der Mannigfaltigkeit seines Geschäftsbereichs ist es auch besonders unübersichtlich.

Wolfgang Ebert:: Risse – aber wo?

Mein Freund beschäftigt sich damit, Risse im Ostblock zu entdecken, um an ihnen abzulesen, wie lange es noch dauert, bis der ganze Kommunismus beim Teufel ist.

Katholiken setzen auf das neue Prager Regime

Im erzbischöflichen Palais in Prag, das noch vor Jahren kaum ein Gläubiger zu betreten wagte, ohne zu fürchten, das Mißtrauen staatlicher Aufsuchen zu erregen, gibt in diesen Tagen ein Besucher dem anderen die Klinke in die Hand.

„Saturn“-Start schlug fehl

In der Woche der nationalen Prüfungen (Präsidentenkrise, King-Mord, Rassenkonflikt) blieb den Amerikanern auch das Debakel im Weltraum nicht erspart.

„Bobby“ liegt vorn

„Bobby“ Kennedy hat von allen demokratischen Bewerben gegenwärtig die besten Chancen auf den „heißesten Stuhl Amerikas“ – das Präsidentenamt.

Namen der Woche

Barbara Castle (56), bislang Transportminister in der britischen Labour-Regierung, wurde von Premierminister Wilson im Rahmen einer Kabinettsumbildung mit dem neugebildeten Ministerium für Arbeit und Produktivität betraut.

Von ZEIT zu ZEIT

Die Ermordung des Negerführers Martin Luther King löste n den Vereinigten Staaten eine Welle von Demonstrationen und Brandschatjungen aus.

Negeraufruhr in den USA

Die Ermordung des amerikanischen Negerführers Dr. Martin Luther King hat den schwelenden Rassenkonflikt in den USA explosionsartig verschärft.

Reformer an der Spitze

Cernik wurde von Staatspräsident Svoboda mit der Regierungsbildung beauftragt. Seine Sondierungen erstreckten sich auch auf die (nichtkommunistische) Sozialistische und auf die Volkspartei, die – von KP-Chef Dubček ermuntert – ein stärkeres Mitspracherecht verlangen.

Vietnam: Wege zum Frieden

Dezember: Längster amerikanischnordvietnamesischer Direktkontakt: US-Diplomat McGuthrie trifft nordvietnamesischen Geschäftsträger Le Trang in Moskau siebenmal in 36 Tagen, Notenaustausch.

„Heißer“ Jordan

„Heiße Verfolgung“ hieß die neue Parole, mit der israelische Truppen am Montag über die Waffenstillstandslinie am Jordan vorstießen, um arabische Terroristennester zu vernichten.

400 000 sagten „nein“

Die erste Abstimmung in der bald zwanzigjährigen Geschichte der DDR, bei der auch „Nein“ gesagt werden durfte, erbrachte fast das erwartete Ergebnis: 94,54 Prozent der 12,2 Millionen Wahlberechtigten stimmten am vorigen Sonnabend beim „Volksentscheid“ über die neue sozialistische Verfassung mit „Ja“.

Mord an der Menschlichkeit

Mitte März 1966 landete ich zum erstenmal, zusammen mit einem Teil einer deutschen Regierungsdelegation, auf dem kleinen Flugplatz in Hué.

Die Angst der Ärzte

Wohlsituierte Bürger, die einst nationalsozialistisch wählten, Bauern, die von der Nationaldemokratischen Partei angezogen werden, Professoren, die sich gegen Universitätsreformen sträuben – wer wüßte aus Vergangenheit und Gegenwart nicht noch weitere Beispiele politischen Verhaltens anzuführen, für die keine Erklärung so recht passen will und die doch trotz ihrer oberflächlichen Vielfalt gemeinsame Ursachen zu haben scheinen.

Versuchen zu lächeln...

Wenn alle Neger in den Vereinigten Staaten sich der Gewalt zuwenden, werde ich es vorziehen, die einsame Stimme zu sein, die predigt, daß dies der falsche Weg ist“, hat Martin Luther King einmal gesagt.

Der schwarz-weiße Konflikt in den USA: Ihr gutes Recht

Eigens für deutsche Leser haben zwei amerikanische Autoren – der 1932 in München geborene Politikwissenschaftler Merkl und der um drei Jahre ältere farbige Historiker Scruggs – ebenso knapp wie informativ ein Thema abgehandelt, das alle Aussicht hat, für die nächste Zeit als Problem Nr.

Aus der DDR: Mit langen Ohren

Montag, 1. April 1968, nachmittags. Das wuchtige rote Gebäude in der Mauerstraße hat geflaggt. Transparente fordern wieder einmal: „Wenn du für den Frieden bist, stimme mit JA.

Geheimverfahren

Dieser Tage feierte der niedersächsische Oberregierungsrat Hans Beske ein makabres Jubiläum. Vor zwei Jahren, am 11. Februar 1965, wurde er, damals Leiter des Referats II/5 im niedersächsischen Vertriebenenministerium, an die Luft gesetzt und mit massiven Vorwürfen belegt: nichtgenehmigte Ostkontakte, Spionage.

Namen, die sie nicht kennen

Name: unbekannt, vielleicht Senafifa, Vorname: Christa, geb. 28. 3. 1943. Augen: graugrün, Haar: dunkelblond. Kam 1945 mit einem Transport aus dem Wartheland.

Obszöner Beardsley

„Ein normaler Fall aus dem Schulalltag“ – Lehrer solidarisieren sich mit aufmüpfigen Schülern

Haben Orientalen Verstand?

In Aleppo hatte dem jungen Syrer eine Informationsschrift der deutschen Botschaft die Vorzüge eines Studiums in Deutschland gepriesen.

Das Schicksal der Kommune steht in den Sternen

Die Tage der Berliner Kommune sind vorbei. Und wäre nicht mit schöner Regelmäßigkeit ein Richter zur Stelle, die Publicity-Sucht der Kommunarden zu befriedigen, kaum jemand kümmerte sich noch um die erste Lebensgemeinschaft deutscher Maoisten.

Fernsehen: Erfolgloser Bericht über einen Erfolglosen

Eindrucksvoll war es: wie da der Schauspieler Peter Mosbacher, alias Zeno Cosini, auf der Analytiker-Couch lag (Dämmerlicht; ein Arzt am Kopfende des Sofas; sehr weit entfernt das Meer in der Bucht von Triest), wie er rauchend zu beichten versuchte und plaudernd den inhalierten Rauch aussprudelte: „Verwesung könnte so etwas sein wie Ekstase.

Wagner als Kammermusik

Er habe hier die besten Solisten, das beste Orchester, das beste Theater, die besten Bühnentechniker, sagt Herbert von Karajan und meint mit „hier“ Salzburg und die Oster-Festspiele, „seine“ Festspiele.

Sensation von damals

Johnny redivivus? Vitalität war die Macht, mit der er, schwarzer Jazz-Musiker, vier Jahre lang, vom Leipziger Debüt 1927 an, die Opernhäuser Europas eroberte.

Theater: Fesselnder Claudel

Der hundertste Geburtstag von Paul Claudel (am 6. August 1968) kündigt sich an. In Stuttgart, wo die „Mittagswende“ von 1905 (1948 für die Bühne revidiert) eine undoktrinäre Aufführung fand, wird der Theaterbeirat der Württembergischen Staatstheater nun wohl wieder eine theaterkritische Rechtfertigung für Stückwahl und Inszenierungsstil formulieren müssen.

Alle Ostern wieder...

Der einstige DM-Verleger Waldemar Schweitzer hatte schon als „Spiegel“-Korrespondent Pech. Am 26. August 1956 hatte er seinem Chef Johannes K.

Was wir Glauben nennen

Mit einer Sicherheit, wie sie sonst im Bereich der Theologie selten erreicht wird, kommt von Zeit zu Zeit – eine Art katholischen Ungeheuers von Loch Ness – eines der berühmtberüchtigten Andachtsstücke wieder ins Gespräch, sei es das Turiner Leichentuch oder die Haarlocke des heiligen Aloysius oder ein Partikel vom Heiligen Kreuz.

Erfahrungen mit Theologen

Meine erste Erfahrung war die, daß auch Theologen sich irren. Die meisten kennen einander. Sie predigen das Neue Testament, aber es schert sie wenig, daß Lazarus nur bei Johannes, nicht aber bei den Synoptikern auferweckt wird.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Johann Sebastian Bach: „H-moll-Messe“; Giebel, Baker, Gedda, Prey, Crass, BBC-Chor, Neues Philharmonia Orchester London, Leitung: Otto Klemperer; Electrola SMA 91 691/93, 48,– DM (bis 30.

ZEITMOSAIK

Die Londoner Abendzeitung „Evening News“ nannte es einen „kleinen Eingriff vom Buckingham-Palast“, der Sprecher des könglichen Domizils schob den Schwarzen Peter den Fernsehredakteuren zu: Prinz Philip war in die Zensur geraten.

Mein wahres Thema ist Gerechtigkeit

Mit scharfem Blick notierte und beschrieb die amerikanische Essayistin, Roman- und Bestsellerautorin Mary McCarthy das Gebaren ihrer Landsleute in Südvietnam: Ihr „Vietnam-Report“ (die deutsche Ausgabe erschien, wie alle ihre Bücher, im Verlag Droemer Knaur, München) läßt Beobachtungen sprechen, verlegt das Argument in die Beschreibung des konkreten Details.

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