Etwa dreihundert Studenten am Berliner Institut für Publizistik haben einstimmig beschlossen, ab sofort so lange keine Vorlesungen und keine Seminare zu besuchen, bis der Berliner Lehrstuhl für Publizistik ordnungsgemäß besetzt ist.

Am Institut für Publizistik der Freien Universität wird der Aufstand geprobt. Nach der Aussperrung der Romanisten am Ende des vergangenen Wintersemesters steht der Philosophischen Fakultät wieder ein heißer Sommer bevor.

1961 wurde, nach dem Ausscheiden von Emil Dovifat, ein neuer Institutsdirektor berufen, der wegen seines hohen Alters nur als Übergangslösung gedacht war – Professor Fritz Eberhard. Innerhalb von drei Jahren sollte ein geeigneter Nachfolger gefunden werden.

1965 fand es die Fakultät an der Zeit, eine Kommission zur Regelung der Nachfolgefrage einzusetzen. Und diese Kommission regelt nun seit drei Jahren ergebnislos.

Zwar waren mehrere Kandidaten im Gespräch, zwar erging ein Ruf an den Mannheimer Sozialpsychologen Professor Dr. Irle – aber das professorale Gerangel hinter den Kulissen und auf dem Rücken von Studenten und Assistenten hat bisher jede vernünftige Lösung verhindert.

Der siebenjährige Schwebezustand zeitigt jetzt Folgen, auf die einige Mitglieder der Berufungskommission nur zu warten scheinen. Institutsdirektor und Assistenten sind durch Verwaltungsaufgaben derart überlastet, daß sie ihre Lehraufgaben nicht mehr wahrnehmen, viel weniger noch längerfristige wissenschaftliche Forschungen treiben können. Professor Eberhard darf seit einem Jahr keine Doktoranden mehr annehmen, da die Vergabe von Dissertationen von der Billigung des nicht vorhandenen Nachfolgers abhängt. Es ist denkbar, daß sich der Studienabschluß einer Reihe von Studenten ohne eigenes Verschulden um ein bis zwei Jahre verschiebt. Daß sich sieben Assistenten und Hilfsassistenten in zwei acht Quadratmeter großen Räumen um Forschung und Lehre bemühen und allen Studenten der Publizistikwissenschaft ein Arbeitsraum mit rund 30 Plätzen zur Verfügung steht, sei am Rande vermerkt.

In einem Memorandum an die Mitglieder der Engeren Fakultät führte eine paritätische Kommission von Studenten und Assistenten des IfP die Verschleppung der Berufung auf Unkenntnis und Unklarheiten der Berufungskommission und der Fakultät über das Fach Publizistik zurück.