Die bayerische NPD ist mit 15 Abgeordneten im Landtag vertreten. Bei den Wahlen 1966 hatte sie 780 572 Stimmen erhalten, das sind 7,4 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Ihr Fraktionsvorsitzender im Münchner Maximilianeum ist der 44jährige Münchner Rechtsanwalt Dr. Siegfried Poehlmann. Landesvorsitzender ist der 52jährige Senatsrat beim Bundespatentgericht, Benno Herrmannsdörfer, der die Taktik seiner Partei so formuliert: "Wir suchen die Mitte und vermeiden alles Extreme."

Im Landtag hat die NPD laut Poehlmann rund 70 "parlamentarische Initiativen" vorgebracht. Sie bestehen überwiegend aus mündlichen und schriftlichen Anfragen; dazu kommt ein knappes Dutzend Anträge und Gesetzesanträge. Zumeist waren es effektvolle und populäre Anträge: Kürzung der Diäten, Senkung der Repräsentationskosten der Staatsregierung, Eindämmung der Personal- und Sachausgaben, Auflösung kleiner Amtsgerichte, Zusammenlegung von Schulen. In einem Gesetzesvorschlag verlangte die NPD die "christliche Gemeinschaftsschule" als einzigen Schultyp. Sie unterstützte das Volksbegehren, der SPD zur Schulfrage.

Offenbar an Stammwähler adressiert waren Anfragen über "Maßnahmen zur Verwurzelung des Bewußtseins der Einheit Deutschlands im Volk", über die Gültigkeit des Münchner Abkommens, über die Errichtung eines ostdeutschen Kulturzentrums in München, über "außenpolitische Rücksichtnahme des bayerischen Hauptmünzamtes bei der Prägung von Medaillen", über die "Ausstellung von Tafeln in Augsburg zum 17. Juni" und ähnliches mehr. Auffallend groß war das Interesse der NPD-Fraktion an Problemen der Luftfahrt, denen acht Anfragen und ein Gesetzentwurf (Großflughafen Hofolding bei München) gewidmet waren. Großer Raum wurde auch Naturereignissen gewidmet: Unwetterschäden, Verunreinigung der Altmühl, Paratyphus in Schwabmünchen, Regulierung der Vils, Hagelschlagschäden in Lindau. Ein Gesetzesantrag verlangte die Einrichtung eines Nationalparks im Bayerischen Wald.

Mit ihren Initiativen war die NPD im Landtag nicht erfolgreich, dafür mehr bei ihren Schadenersatzklagen gegen die Stadt München und die kommunale Messehallen-GmbH in Nürnberg. In beiden Fällen ging es darum, daß NPD-Veranstaltungen in letzter Minute untersagt worden waren.

Die Kontakte zu den Parlamentskollegen der anderen Fraktionen im Landtag sind spärlich. Die Fraktionen von CSU und SPD haben die NPD von der Besetzung der wichtigsten Landtagsauschüsse ausgeschlossen. G. B.