Von Werner Höfer

Ein Frühling wie in Griechenland .. Andreas Papandreou, auf der Terrasse eines Godesberger Hotels sitzend, den Drachenfels als rheinische Variante der Akropolis im Rücken, konnte an diesem heißesten April-Wochenende des Jahrhunderts nicht wissen, daß seine griechischen Landsleute zu Hause die Heizung anstellen mußten. Es war der 21. April, das Osterfest der Orthodoxen und der Jahrestag der Machtübernahme.

Der fünfzigjährige Exil-Politiker, der ein Englisch spricht, als sei er in Boston und nicht in Chios geboren, erzählt von der Putsch-Nacht mit der Distanz eines Berichterstatters, der nicht ein eigenes, sondern ein fremdes Schicksal zu schildern hat: Wie er am Abend des 20. April den Staatsstreich der Militärs in einer Rede vorhergesagt habe; wie in den ersten Stunden des 21. April Panzersoldaten in sein Haus eingedrungen seien; wie er über eine intakte Telephonleitung ein letztes Gespräch mit seinem Vater Georg Papandreou führen konnte; wie er sich auf dem Dach seines Hauses versteckte; wie die Eindringlinge seinem ältesten Sohn mit Erschießen drohten, wenn er nicht das Versteck des Vaters preisgäbe; wie er unter dieser tödlichen Erpressung von dem vier Meter hohen Dach heruntergesprungen sei; wie er sich bei diesem Sprung in die Unfreiheit eine schwere Knieverletzung zugezogen habe; wie er dann eine Odyssee von acht Monaten durch Gefängnisse antreten mußte, vorwiegend in Einzelhaft; wie er nun als Sprecher der Zentrumsunion wirkt, deren Führer sein Vater ist, und als Präsident der Panhellenischen Befreiungsbewegung.

Dieser Bewegung fehlt es nicht an Zielen und ihrem Präsidenten nicht an Worten, sie zu erklären, wenngleich das Hauptziel der umständlichen Erklärung nicht bedarf: Diese Bewegung möchte in Griechenland und im Ausland die Bestrebungen zur Befreiung des griechischen Volkes koordinieren.

Papandreou möchte den Eindruck des leichtfertgen Optimisten oder gar des geschwätzigen Illusionisten vermeiden. Deshalb bemüht er sich, bei der Abwägung von Wünschbarem, Denkbarem und Erreichbarem um die Sachlichkeit eines Strategen, der die Kräfteverteilung bei Freund und Feind realistisch einzuschätzen weiß.

"Worin sehen Sie den Hauptfeind des griechischen Volkes?"

"In der Schnellebigkeit der Zeit und in der Vergeßlichkeit der Menschen."