Der Ausgang der rheinland-pfälzischen Landtagswahlen vom Frühjahr 1967 war für die Nationaldemokraten, gemessen an den vorausgegangenen Erfolgen in Hessen und Bayern, eine herbe Enttäuschung. Die auf Rechtstendenzen seit jeher ansprechbaren Klein-Winzer an Rhein, Mosel, Ahr und Nahe, aber auch die von der Natur stets benachteiligten Höhen-Bauern im Hunsrück und in der Eifel hielten die von NPD-Propagandakolonnen verbreiteten Anti-EWG-Parolen vor einem Jahr noch für pure Schwarzmalerei. Mittlerweile jedoch mißtrauen jene Bauern und Winzer auch dem Wert des CDU-Slogans vom „jungen Land mit Zukunft“, dem sie vor einem Jahr noch willig zu folgen bereit waren.

Damals fielen der CDU von insgesamt 100 Landtagssitzen 49 zu; neben der SPD hatte dabei auch die NPD das Nachsehen. Die Rechten erreichten nicht einmal Fraktionsstärke und mußten sich mit einer vierköpfigen „Landtagsgruppe“ im Mainzer Parlament begnügen, von dessen Ausschußarbeit sie völlig ausgeschlossen blieb.

Beargwöhnt von 96 Kontrahenten aus CDU, SPD und FDP, bar jeglicher parlamentarischer Erfahrung und ständig in der Gefahr von falschen Zungenschlägen, bleibt diesem Vierer-Häuflein kaum mehr, als gelegentlich ihren Willen zu demokratischer Mitverantwortung zu beteuern oder die Diskussionen landespolitischer Probleme zu Höhenflügen in die internationale Politik zu nutzen. Die geringe parlamentarische Effektivität der NPD kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, daß ihre Stärke weiterhin im außerparlamentarischen Bereich und in der Person ihres Gruppensprechers und Landesvorsitzenden Fritz May liegt.

Braungebrannt und graumeliert, die NPD-gepriesene Sauberkeit und Anständigkeit personifizierend, ist der 54jährige Winzer aus Osthofen bei Worms jener „gerade Typ“, dem es viele Rheinhessen und Pfälzer nicht einmal verübeln würden, wenn er ehedem mehr gewesen wäre als nur aktiver SS-Offizier. May reist in Wein und Good will. Ins Fettnäpfchen zu treten überläßt er Kameraden wie etwa Dr. Lorenz Harth aus Glan-Münchweiler.

Wohl wissend, daß die Existenz des Mainzer Quartetts lediglich statistischen Wert für ihre Hannoversche Parteizentrale hat, setzt die NPD in Rheinland-Pfalz nach wie vor auf von anderen nur schwer zu kontrollierende Aktionen auf dem flachen Lande. Bei den jüngsten Bauerndemonstrationen im Weinland zwischen Ahr und Saar wurde so von „Patenschaftstrupps“ aus benachbarten Bundesländern Stimmung gemacht – gegen EWG und Bundesregierung. Der von dem einstigen Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Sozialministerium und ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Otto Schmidt erhobene Vorwurf, im Westerwald hätten getarnte NPD-Demonstranten auf Spruchbändern gefordert, die Verantwortlichen für die bundesdeutsche Agrarpolitik „aufzuknüpfen“, blieb unwidersprochen. F. K.