Unser Kritiker sah:

ARBEIT AN EINER STATUE

Stück von Graham Greene

Theater am Alten Markt in Bielefeld

Dies ist das vierte für die Bühne verfaßte Stück des erfolgreichen Erzählers Graham Greene. Um künftige Verwechslungen zu vermeiden, muß man den englischen Originaltitel "Carving a Statue" erwähnen. Der deutsche Übersetzer Peter von Wiese hatte dem Bühnenmanuskript zunächst den Namen "Das Ebenbild" gegeben.

"Arbeit an einer Statue" ist ein interessanter Versuch, mit vorwiegend alter, obwohl unrealistischer Dramaturgie einen neuen Graham Greene, den eigentlichen, zu zeigen. Christliche, religiöse Thematik, wie sie für diesen Autor charakteristisch ist, taucht zwar wiederum auf, doch nur noch als Phraseologie. Handelt der erste Akt von der Farce eines Bildhauers, der sich vermißt, Gott-Vater, den Weltenschöpfer, in Marmor zu meißeln, so leben die beiden anderen. Akte von komödienhaften Substanzen, wie sie Greene sich im "Verbindlichen Liebhaber" (Complaisant Lover) angeeignet hatte. Was autobiographisch betroffen macht, ist der fehlende Schluß: Der Bildhauer, der Gott darstellen wollte, erkennt plötzlich, daß er Luzifer in Stein haut. Beglückt von diesem "Einfall", der ein tragisches Ende bewirken müßte, geht der Steinmetz von neuem an die Arbeit, während der Vorhang fällt.

In Bielefeld ging der Gastregisseur Harry Niemann vordergründigen Interpretationsmöglichkeiten auf den Leim, indem er Künstlerdrama spielen ließ. Der Darsteller des Bildhauers (Wilhelm Kürten a. G.) trug die Nase immer sehr hoch, um sein Ringen mit dem Himmel sichtbar zu machen. Auch in sehr irdischen Situationen – wenn er seinem Sohn ein Mädchen wegnimmt oder vom Arzt. Pillen gegen den Altersschvindel verlangt – blieb der Schauspieler Kütten so, wie er angelegt worden war: ein phraseologischer Bramarbas, der "heiße Luft" abließ, wo er situationsgerecht hätte konkret werden müssen.