Zwei Tage vor Beginn der UN-Debatte über den Atomsperrvertrag hat die Sowjetunion erneut ihr Interesse an der deutschen Unterschrift bekundet. Im Gegensatz zur sowjetischen Presse, die der Bundesrepublik immer wieder vorgeworfen hatte, sie versuche den Vertragsabschluß zu hintertreiben, vermied der Sprecher des sowjetischen Außenministeriums Samjatin jede Polemik, als er am Montag erklärte: "Wenn sich Bonn nicht um Kernwaffen bemüht, werden wir ruhig sein – und die Bundesrepublik wird auch beruhigt sein."

Samjatin ging sogar noch einen Schritt weiter. Er unterließ es, die Bundesrepublik wegen ihrer Mitgliedschaft in der nuklearen Planungsgruppe der NATO anzugreifen. Samjatin: "Der McNamara-Ausschuß beschäftigt sich überhaupt nicht mit der Frage der Verbreitung von Kernwaffen. Von diesem Standpunkt aus ist seine Arbeit kein Vergehen gegen den Sperrvertrag."

In der Vollversammlung zu New York wollen die beiden Supermächte alle Minen hochgehen um den Sperrvertrag durchzubringen. Noch leisten die nuklearen Schwellenmächte heftigen Widerstand gegen den Versuch, die UN-Debatte zur bloßen Formalie zu degradieren. Indien lehnt den Vertrag grundsätzlich ab, Brasilien und Rumänien haben Einwände angekündigt.

Doch die Großmächte wollen wenigstens einen Rest von Kooperation retten Diesem Ziel dient auch der "Weltraumrettungsvertrag", der am Montag in Moskau von den USA, der Sowjetunion und Großbritannien unterzeichnet wurde und der allen Staaten zur Unterschrift offensteht. Die Vertragspartner verpflichten sich, bei Unglücksfällen im Weltraum oder während einer Mondlandung zusammenzuarbeiten und Raumflugkörper zurückzugeben, die versehentlich auf ihrem Gebiet niedergehen. Am 27. Januar 1967 hatten die USA, die UdSSR und Großbritannien einen Vertrag geschlossen, der Weltraum und Planeten von Kernwaffenversuchen freihalten soll.