Von Kai Hermann

Berlin, im April

Am 16. April erschien "Bild" mit der Balkenüberschrift: "Möbelhaus in Brand gesteckt." Darüber die rhetorischen Fragen: "Ist das Demonstration?" – "Ist das Diskussion?" – und die Antwort: "Nackte Zerstörungswut. Anschlag auf privates Eigentum." Überschrift und kurze Meldung über ein Feuer in Gladbeck waren dem Bericht von den Studentenunruhen vorangestellt.

"Bild" sagte nicht, wer den Brand gelegt hatte. Es orakelte nur über "das von ihnen gehaßte private Eigentum". Wer "ihnen" war, mußte aus dem Zusammenhang deutlich werden: die Studenten, der SDS, die Terroristen. Daß es in Gladbeck keinen SDS und auch keine Studentenunruhen gab, verschwieg das Blatt. Zwei Tage später stellte sich heraus, der Brandstifter sei ein arbeitsloser Schweißer gewesen, der in das Geschäft einbrach, stahl und dabei (wohl aus Versehen) Feuer legte. "Bild-Berlin" meldete das in einem kleinen Kasten auf der letzten Seite – ohne Hinweis auf die eigene Falschmeldung.

Dieser groteske Fall von Nachrichtenmanipulation hat Parallelen nur in der Goebbelsschen Propaganda von einst und der Berichterstattung des "Neuen Deutschland" von heute. Wenn auch eklatant, blieb er doch kein einmaliger Ausrutscher, sondern war symptomatisch für die Berichterstattung der meisten Springer-Blätter in den vergangenen Tagen.

Warum ihre Redakteure auch in dieser Situation das Fälschen nicht lassen konnten, scheint zunächst eher psychologisch als mit politischem Kalkül erklärbar. Denn eingeworfene Scheiben, brennende Verlagswagen, verwüstete Redaktionsräume – müßte man meinen – hätten ausreichend Stoff geben müssen, um gerechten Zorn zu wecken, um die Kampagne gegen die studentische Opposition noch einmal auf einen neuen Höhepunkt zu führen.

Statt dessen las man in einem kurzen Zweispalter von "Bild-Berlin" am 13. April über die Vorgänge auf und um den John-F.-Kennedy-Platz folgende Unrichtigkeiten und Halbwahrheiten