Selbst der dringende Appell, den Bundeskanzler Kiesinger an "unsere französischen Freunde" richtete, hat den britischen EWG-Beitritt nicht vorangebracht. Bei einem Konsultationsgespräch, das die Außenminister Couve de Murville und Willy Brandt am Montag turnusmäßig in Bonn abhielten, gab es nur eine Scheinbewegung: Auf der nächsten Ministerratssitzung in Brüssel am 9. Mai will man über die praktischen Details des "handelspolitischen Arrangements" zwischen der EWG und Großbritannien sprechen, auf das sich Kiesinger und de Gaulle Mitte Februar in Paris geeinigt hatten.

Jener deutsch-französische Akkord verdeckt freilich kaum die grundsätzliche Dissonanz: Frankreich ist weder bereit, die EWG-Zölle gegenüber England bis auf null abzubauen, noch betrachtet es das Arrangement als automatische Vorstufe für einen späteren Beitritt der Briten zur Wirtschaftsgemeinschaft. Nicht einmal über die Geltungsdauer der ersten Phase einer Handelsvereinbarung konnte bisher Einigkeit erzielt werden. Kiesingers Appell, die Vereinbarungen über das Arrangement großzügig zu interpretieren, verhallte in Paris ungehört.