Sie zogen ihre Oster-Bilanz, die Kneipiers, die Kurdirektoren, die Braumeister und die Reisebüroagenten. Wie alljährlich zählten sie die verkauften Betten und die ausgeschenkten Hektoliter Bier. Sie neben sich die Hände: ein erfolgreiches Ostern 1968.

Für die, die neu in das Osterabrechnungsgeschäft gerieten, sah die Bilanz weniger erfreulich aus – für Studenten und Polizisten. Auf ihr Konto gehen Scherben und Blessierte, vertane Chancen und zwei Tote.

In Hamburg zeichnete sich die Polizei durch besonders brutale Knüppelei aus, mit der eine friedfertige Ansammlung von Demonstranten vor dem Polizeihochhaus in der Nacht des Ostermontag ohne Vorwarnung zusammengeschlagen wurde. Der schwedische Staatsbürger Erik Zimen, Doktorand der Universität Kiel, berichtet: "Die Demonstration schien schon ihren Höhepunkt überschritten zu haben, da fuhren plötzlich mit Blaulicht und Sirenen mehrere Mannschaftswagen der Polizei vor. Polizisten in Helmen, langen grauen Mänteln und mit Schlagstöcken in den Händen sprangen von den Wagen, hatten sehr schnell die Demonstranten eingeschlossen und schlugen auf diese wahllos ein. Ich habe mehrmals beobachten können, wie mehrere Polizisten auf liegende Menschen, auch Mädchen, gemeinsam einschlugen."

Ein Opfer der Hamburger Prügelei steht noch immer unter Haftbefehl. Der 22jährige Jurastudent Herbert von Fintel, SHB-Gruppenvorsitzender, wird beschuldigt, mit einer Holzlatte auf zwei Polizisten geschlagen zu haben. Der Student, der – wie Zeugen bekunden – nichts dergleichen tat, wurde von fünf Polizisten brutal geschlagen. Sein Bauschutzhelm nützte ihm nichts. Die Knüppel trafen ihn quer über beide Augen. Sein Anwalt, Dr. Hajo Wandschneider: "Total deformiertes Gesicht." Der Haftbefehl, der vom Oberlandesgericht bestätigt wurde, nachdem ihn das Landgericht aufgehoben hat, bescheinigt dem Studenten "staatsfeindliche Gesinnung", deshalb bestehe Verdunklungsgefahr. Ein Ausschuß, der den gewalttätigen Einsatz der Polizei untersuchen sollte – von Professoren der Hamburger Universität gefordert – wird von Hamburgs Oberen abgelehnt. Sie meinen, sie träfe keine Schuld.

In München klagte derweil Oberbürgermeister Vogel, seine Polizei sei durch die Anti-Springer-Krawalle und ihre Folgen in der Verbrechensbekämpfung behindert. 20 Beamte der Mordkommission beispielsweise seien seit der vergangenen Woche dabei, mit Hilfe von mehr als 1000 Photos, die bei den Demonstrationen gemacht worden sind, die Stein- und Balkenwerfer zu identifizieren. Sie hoffen, dabei die Täter ausfindig zu machen, deren Wurfgeschosse den Photoreporter Frings und den Studenten Schreck töteten.

Während Frings eindeutig durch einen Pflasterstein ums Leben kam, sei Schreck durch ein 60 Zentimeter langes Vierkantholz tödlich verletzt worden, behauptet die Polizei. Der Vorwurf, ein Polizei-Schlagstock habe ihn getroffen oder ein Polizist habe mit dem Vierkantholz zugeschlagen, konnte bisher nicht bewiesen werden.

In Frankfurt kam es ebenfalls zu massierten und harten Einsätzen der Polizei, die mehrfach mit Pferden in die Menge ritt. Oberbürgermeister Brundert: "Die formale Verantwortung für den Polizeieinsatz trage ich." Insgesamt waren in der Bundesrepublik 21 000 Polizisten auf den Beinen, die in ihren Mitteln nicht pingelig waren.