Zu 1) Ich sehe keinen Anlaß, die Ziele zu revidieren, allerdings einen dringenden Anlaß, sie besser zu artikulieren. Mir scheint, daß im Zusammenhang mit den spontanen Aktionen gegen Springer verschiedene Ziele durcheinandergeraten sind, die erst einmal artikuliert werden müssen, damit die Adäquanz der Aktion zu der vorher geklärten Artikulation wiederhergestellt wird.

Zu 2) Ich halte grundsätzlich nur gewaltfreie – also friedliche Mittel für vertretbar, angesichts des nicht-revolutionären Charakters der politischen Situation in unserem Lande. Allerdings gibt es bestimmte Fälle, die man im einzelnen präzisieren müßte, wo den Demonstranten ein Widerstandsrecht eingeräumt werden muß. Präzise: Im Falle der Aktion der Polizei vor dem Hamburger Polizeipräsidium würde ich für die Studenten ein Widerstandsrecht reklamieren. Unter friedlichen Mitteln verstehe ich die gewaltlosen Aktionen, also Demonstrationen, Sitzstreiks, Kundgebungen und so fort, auf keinen Fall aber die Anwendung irgendwelcher physischer Gewalt in Form von Steinen, Knüppeln, Schlagstöcken und ähnlichem mehr.

Zu 3) Ich glaube, daß wir durch die letzten Aktionen einen sehr großen Rückschlag erlitten haben. Die Sympathien, die wir in der Bevölkerung und in der Presse für unsere Aktionen im Zusammenhang mit der Hochschulpolitik bekommen haben, sind umgeschlagen, einfach deshalb, weil der Eindruck entstanden ist, als sei die Studentenschaft nichts anderes als ein Wolf im Schafspelz, der jetzt durch die "Terror-Aktionen", "die auf breiter Basis als gelenkte vorgekommen sein sollen"‚ seine revolutionäre und gewaltsame Gesinnung gezeigt habe.

Zu 4) Nein, die hat es auch nie gegeben, und es ist bisher versäumt worden, eine solche Solidarisierung herzustellen. Es ist uns auch deshalb nicht gelungen, weil man sich nicht darüber im klaren war, daß eine solche Solidarisierung nicht von heute auf morgen, sondern nur durch mühsame Arbeit über lange Zeit erreicht werden kann.

Zu 1) Die jüngsten Aktionen sind konsequenterAusdruck einer oppositionellen Politik, deren inhaltliche Ziele nach meiner Auffassung nicht revisionsbedürftig sind. Im Gegenteil: Die verbissene Aufwertung der Methoden und Begleiterscheinungen hat unübersehbar die totale Unfähigkeit gezeigt, rational begründete Alternativvorstellungen

von Minderheiten politisch ernst zu nehmen. Die gefährliche Selbstverständlichkeit, mit der Angriffe auf einen privaten Meinungskonzern in Angriffe auf die demokratische Grundordnung umgemünzt wurden, unterstreicht die Richtigkeit unserer Zielsetzungen. Ein unpolitisches Arrangement durch unverbindliche Gespräche oder eine folgenlose Rückkehr zu "Ruhe und Ordnung" halte ich gegenwärtig für ausgeschlossen.

Zu 2) Die Methoden und Mittel der Außerparlamentarischen Opposition hängen nicht nur von ihr, sondern auch vom Zustand der Gesellschaft ab; da ihr in Deutschland ein breiten wirksames Medium öffentlicher Selbstdarstellung fehlt, ist sie auf eine extensive Wahrnehmung des demokratischen Demonstrationsrechts angewiesen. Ihre Öffentlichkeit ist die der Straße, der freien Plätze, der Hörsäle, der Kirchen – überall, wo eine große Zahl von Menschen erreichbar ist. Diese Form der politisch aktiven Aufklärung ist im Prinzip mit Gewaltlosigkeit verbunden; aber im Klima einer entpolitisierten Gesellschaft ist sie von Anbeginn als Ausdruck von Terror, Krawall und bloßer Störung verstanden worden. Doch weder in den Ostertagen noch zu irgendeinem früheren Zeitpunkt hat es in der Außerparlamentarischen Opposition Strategien der Sachbeschädigung und der Menschenverletzung gegeben. Ich meine, daß eine demokratische Minderheit ohne Massenbasis das Risiko der Selbstzerstörung einginge, wollte sie sich bei der Durchsetzung ihrer Ziele auf die Logik und das Instrumentarium der staatlichen Gewaltanwendung einlassen. Wer aber miterlebt hat, wie sich aus geringsten Anlässen sublime, verwaltete Gewalt in manifeste verwandelt, kommt von dem Gedanken nicht mehr los, daß sich in dieser Gesellschaft ein Potential an Gewalttätigkeit gestaut hat, das nur noch der Legalisierung durch Notstandsgesetze bedarf, um sich voll entfalten zu können. Insofern erzwingen die formal-demokratisch abgesicherten Gewaltverhältnisse von der Außerparlamentarischen Opposition die Entscheidung, flexible Strategien organisierter Gegengewalt zu entwickeln; sie hätten nicht zuletzt den Zweck, gefährliche Ohnmachtsreaktionen einzelner zu kontrollieren, und zu verhindern, daß Demonstranten wehrlos zusammengeschlagen werden. Ich betone, daß mir jede Form der Gegengewalt legitimiert erscheint, die sich auf das Prinzip der Öffentlichkeit und der Aufklärung gründet.