Vor der Landtagswahl am 23. April 1967 gerieten die NPD-Propagandisten in Schleswig-Holstein zunächst zwischen von Thadden und Thielen, die sich in Bremen und Hannover mit harten Bandagen bekämpften. Das hemmte den Wahlkampfelan an Förden und Deichen in der Nordmark. Dann bekannte sich der Kreisjugendpfleger von Schleswig und NPD-Landesvorsitzende Karl-Ernst Lober mit seinem Chefideologen, dem Neustädter Studienrat Uwe Rheingans, zum Thadden-Kurs. So fand man vor der Wahl noch genügend Zeit, das Unbehagen gegen den Kieler Landtag zu artikulieren.

Am Wahltag hüpfte die NPD mit 5,8 Prozent über die Sperrhürde des Landeswahlgesetzes; hinter Lober und Rheingans zogen noch die beiden Bauern Peter Petersen und Wolfgang Ehlers in den Landtag ein. Ihre größten Erfolge errang die NPD dort, wo man seit Hitlers Zeiten immer weit rechts zu wählen pflegt – an der Westküste und in den Bauernrevieren um Rendsburg, Segeberg, Oldenburg und Stormarn.

Mit den Hochburgen des Landvolks, das einst unter dem kürzlich verstorbenen Claus Heim Bomben auf Finanzämter warf und pfändungsbereite Amtsgerichte belagerte, solidarisiert sich die NPD nunmehr von der Landtagstribüne aus. Etwa zwei Drittel ihrer Anträge drehen sich um die Grüne Front, um die Festpreise und um die wirtschaftsschwachen Bauern. Mehrere Landtagssitzungen der letzten Monate wurden zur Hälfte von Themen bestritten, die die NPD zu diesen Fragen gestellt hatte.

Ein anderer Sektor, der vor allem von Rheingans bestritten wird, ist die Ideologie. Ein Kommentator meinte unlängst: "Die Tarnfarbe blättert sich." Die vier von rechts lieben es nicht, daß sich Journalisten mit der nationalsozialistischen, oft auch verbrecherischen Vergangenheit mancher Prominenter beschäftigen. Es behagt ihnen nicht, wenn der Justizapparat immer wieder SS-Führer wegen Judenerschießungen auf die Anklagebank holt.

In finanzieller Hinsicht haben sich dagegen die Perspektiven für die NPD verschoben, seit sie im Landtag sitzt. Diese Partei ist zu der höchstbezahlten Klein-Opposition geworden, die es je im nördlichen Bundesland gab. In diesem Jahr darf sie an Fraktionszuschüssen und Geldern für den Gesetzgebungsdienst über 54 000 Mark einheimsen. Da sind die vier nicht kleinlich. Die CDU hingegen, mit 34 Abgeordneten, bekommt nur 131 000 Mark.

Vor der Wahl zeterten die NPD-Funktionäre in Dorfsälen und auf Marktplätzen gegen die Erstattung der Wahlkampfkosten für die "Lizenzparteien". Heute haben sie ein Bankpolster von 148 000 Mark. Das ist der Betrag, den sie noch rechtzeitig als Erstattung der Landtagswahlkampfkosten abforderten. Das Geld bringt ihnen im Jahr zwischen 7000 und 8000 Mark Zinsen. Und Rheingans kündigte bereits an: Wenn das Bundesgericht die Wahlkampfkosten für rechtens hält – die NPD klagt dagegen –, dann wird seine Partei das Geld natürlich auch in Anspruch nehmen, "schon wegen der Chancengleichheit".

H. A.