Es geht weiter mit den Herzen. Herr Blaiberg lebt, Ende voriger Woche wurde in Kalifornien das achte, in Houston das neunte, in London das zehnte Herz verpflanzt, kurz zuvor das siebente in Paris – und darum geht es hier. Es war, zunächst, ein medizinisches Ereignis. Professor Cabrol hatte dem 66jährigen Monsieur Roblain ein neues Herz in den Leib getan. Die technisch geglückte Operation nahm ein unglückliches Ende, der Mann starb nach einundfünfzig Stunden, und nun war es ein nationales Ereignis: „Nachdem der Tod Roblains bekanntgegeben war“, so meldete eine Nachrichtenagentur, „änderten die Rundfunksender in Frankreich ihre Programme und strahlten Trauermusik aus.“

Eine ganze Nation, so entschied der französische Staatsrundfunk, hatte traurig zu sein. Schließlich war Clovis Roblain der erste Europäer mit einem fremden Herzen. Schließlich war der erste Europäer ein Franzose. Schließlich geschah es im Lande de Gaulles, der ja erst eine Gesetzesänderung veranlaßt hatte, damit die französische Medizin nicht ins Hintertreffen gerate. Und in London zeigten sich die Herzärzte nach der Transplantation mit Plaketten „I’m backing Britain“ an den Schlipsen, die mit goldenen Herzklappen bedruckt waren.

So werden aus medizinischen Prozessen Nationalereignisse. „Nehmen wir jetzt“, fragte der „Sunday Telegraph“, „an einer grausigen Art mittelalterlicher Olympischer Spiele teil?“

m. s.