Dr. Berke, 29jähriger Dichter und Psychiater, meint, die Anti-Universität repräsentiere eine „konservative Revolution“: „Dies ist ein reaktionärer Versuch der Rückkehr zu den menschlichen Werten der Kommune, der Freundschaft, des Kontaktes – in dem Sinne, daß Menschen miteinander in Verbindung treten und Fühlung aufnehmen.“

Dr. David Cooper, einer der Hauptorganisatoren, hält Vorlesungen über politische Psychiatrie. Seine Studenten psychoanalysieren Leute wie Präsident Johnson. Diese Kurse sind besonders gut besucht.

John Latham, Bildhauer und Dichter, ist wirklich eine seltsame Erscheinung an der Anti-Universität. Er ist durch und durch englisch und befaßt sich auch mit Politik. Seine Stunden über Strukturen gehören zu den unverständlichsten von allen. Ich hörte ihm zwei Stunden zu, und als ich ihn und seine vier Studenten verließ, hatte ich einige Zweifel, ob er selber wußte, worüber er gesprochen hatte.

Zu den weiteren Dozenten gehören Francis Huxley, der Anthropologie unterrichtet; Anna Lockwood, die kürzlich ein „Glaskonzert auf der Mittleren Erde“ gab; Edward Dorn, ein Dichter; Bob Cobbing, der „Tondichtung in der Musik“ lehrt; Barry Flanagan, ein Bildhauer, der als Material Zement, Stricke, Säcke und Harz benutzt; Ruth First, südafrikanische Journalistin, die zuerst in Einzelhaft saß und später wegen politischer Aktivität ihr Land verlassen mußte; Asa Beneviste, die über Typographie und Dichtkunst spricht; Roy Battersby, der sich mit dem Medium Fernsehen befaßt.

Noel Cobb und Axel Jensen sprechen über die „Bildergeschichte des Tanzes des Schiwa: Vergeistigte Amnesie und die Psychologie der Selbstentfremdung“. Sie wollen autobiographische Berechnungen des Wahnsinns und der ekstatischen Zustände des Bewußtsein aufstellen.

Zwei der drei afrikanischen Dozenten an der Anti-Universität sind militante Anwälte der Black Power und zu den Gastrednern gehört neben Allen Ginsberg und William Burroughs auch Stokely Carmichael.

Im Restaurant der Anti-Universität kommt man mit Leuten zusammen wie Jim Lether aus Michigan. Mit nur einem Bein marschierte er an Krücken in einer Demonstration für die Gleichberechtigung mit, wobei er in eine Schlägerei mit der Polizei verwickelt wurde. Als Beweis zeigt er seine Narben. Er führt eine Anklageschrift von 10 000 Worten mit sich über die „Verbrechen der Regierung Johnson“. Er hofft, sich jetzt in Tansania niederlassen Zu können, um „unseren afrikanischen Freunden zu helfen“.