Mut und Verve der Oberhausener Handke-Enthusiasten verdienten den langanhaltenden Beifall des Publikums zweifellos; um so mehr betrübt es mich, sagen zu müssen, daß ich der Aufführung selbst nicht mit gleicher Begeisterung applaudieren kann.

Ich verstehe nicht, warum ein Regisseur wie Günther Büch so viele glänzende und überdies für die Interpretation entscheidende Inszenierungseinfälle seines Autors verschenkte oder überhaupt nicht berücksichtigte, um statt dessen in mäßigen Gags auf modische Beatle-Assoziationen und Pop-Anklänge zu reflektieren, auf die Handke nicht angewiesen ist.

Das Stück konfrontiert miteinander einen sprachlichen und einen pantomimischen Vorgang. Handkes Kaspar lernt auf der Bühne gehen und sprechen. Man hätte zur Einübung der Hauptrolle einen Mimen engagieren müssen, der die große Eingangspantomime bewältigt, in der Kaspar mühselig durch den Vorhang dringt, gehen lernt und mit der Welt der Gegenstände kämpft. In Oberhausen war sie, still und schlicht, verpatzt. Ulrich Wildgruber, der seine spätere Sprechrolle virtuos meisterte, versagte als Mime, war aber auch mit seinen Problemen vom Regisseur im Stich gelassen.

Ich verstehe ferner nicht, warum man auf Kaspars Masken verzichtet hat, die zunächst einen verwunderten, dann, wenn er durch die "Einsager" und "Einflüsterer" der Umwelt angepaßt ist, einen "glücklichen" Kaspar zeigen.

Ich verstehe nicht, warum das zweite, nun schon perfekte Auftreten Kaspars durch den Vorhang weggelassen war; warum das magische Auge über der Bühne fehlte, das jeweils die Sprechstärke anzeigen sollte, mit der die Stimmen auf Kaspar einredeten. Statt dessen sah man einen roten sinnlosen Lichtpunkt, dessen Bedeutung niemandem deutlich wurde.

Ich verstehe nicht, weshalb das kreischende und ruckweise Schließen des Vorhangs am Schluß so mißlang. Es handelt sich hier nicht um Nebensächlichkeiten. Der Vorhang spielt mit im Stück.

Kurzum: die pantomimischen und inszenatorischen Chancen waren verpaßt.