Als kürzlich die Aktienmehrheit an der Stahlwerke Südwestfalen AG von der Flick-Gruppe an das Münchner Bankhaus Merck, Finck & Co. veräußert wurde, gab es zwei Versionen über die Gründe dieser Transaktion, die das attraktive Edelstahlunternehmen nahezu komplett unter die Kontrolle von nahezu Finck brachte: Die eine lautete, das Flick-Paket habe in München nur eine Durchgangsstation gefunden, andere Gerüchte wollten von eigenen industriellen Ambitionen der Familie von Finck wissen.

Tatsächlich verfügte das Münchner Bankhaus zusammen mit seinen schon früher erworbenen Südwestfalen-Aktien – gut 35 Prozent des Kapitals – und seinem etwa gleichstarken Engagement bei der Edelstahlwerke Witten AG über eine nennenswerte Position in der deutschen Edelstahlindustrie.

Aber sehr schnell hat jetzt der Hoesch-Vorstand den Spekulationen ein Ende gemacht. 26 Prozent vom Kapital des Geisweider Edelstahlerzeugers – der zusammen mit der zum Thyssen-Konzern gehörenden Deutschen Edelstahlwerke AG die Spitzenposition der Branche hält – hat der Dortmunder Hoesch-Konzern erworben. Die andere Hälfte des früheren Flick-Pakets ist bei der Allianz gelandet, die schon vorher 5 Prozent hatte.

Bei der Stahlwerke Südwestfalen AG teilen sich nunmehr also drei Großaktionäre das Kapital: Hoesch ist mit 26, die Allianz mit 32 und Merck, Finck mit 37 Prozent beteiligt. Für den Hoesch-Konzern betonte Vorstandsvorsitzer Dr. Willy Ochel ausdrücklich, daß die anderen beiden Partner keine industriellen Interessen hätten, daß sich aber für Hoesch „große und gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit“ mit dem Geisweider Unternehmen ergäben.

Es ist also durchaus möglich, daß es auf die Dauer nicht bei den vergleichsweise schmalen 26 Prozent für Hoesch bleiben wird. Ob der Dortmunder Gruppe eines Tages auch – durch eine Fusion mit Rheinstahl – die Aktienmehrheit an dem dritten großen Edelstahlunternehmen der Bundesrepublik, der Edelstahlwerke Witten AG, zufallen wird, ist noch immer ungewiß. Aber in Dortmund wird, unabhängig von diesen Verhandlungen, schon der erste Schritt in das Edelstahlgeschäft – das bisher in der Hoesch-Palette fehlte – als „eine der bedeutendsten Entscheidungen der letzten Jahre“ angesehen, und es ist durchaus anzunehmen, daß die Zusammenarbeit von Hoesch und Südwestfalen enger wird, als es die jetzt erreichte Kapitalverflechtung zunächst vermuten läßt. nmn