Laßt die ganz Jungen an den Lenker: Eine Forderung, die fortschrittliche Einstellung beweist oder den Alptraum von 17 000 Verkehrstoten jährlich allein in der Bundesrepublik noch drückender werden läßt? Wer ist berufen, es zu entscheiden? Fortschritt ist gut, werden viele Väter sagen, ihren Wagen aber dennoch nicht dem Nachwuchs anvertrauen.

Ich auch nicht. Ich habe einfach Angst, daß zu den viel zu zahlreichen Unwägbarkeiten dieses Jahrzehnts eine weitere hinzukäme. Mein Sohn griff zum erstenmal ins Verkehrsgeschehen ein, als er noch nicht laufen konnte: Er schaltete auf einer belebten Kreuzung die Zündung aus. Heute, knapp zwölf Jahre alt, ist er wild auf die Technik und das Autofahren.

Es wird so oft argumentiert, daß Verbote die wirkungsvollsten Stimulantien sind. Es erhebt sich also die Frage, ob man Sohn oder Tochter Leber zur Abstinenz zum Auto erziehen soll, bis er (sie) das vom Gesetz vorgeschriebene Alter hat, oder sich darauf verlassen will, daß er (sie) Vertrauen und Glaube an fortschrittliche Erziehung auch entsprechend honoriert.

Es wird sicher eine recht gute Bremse sein: das Bewußtsein „Mein Vater läßt mich Auto fahren. Er erwartet aber, daß ich es offen und im wohlbehüteten Rahmen tue und keine Schwarzfahrten unternehme“. Doch: Ist diese Bremse auch noch wirksam, wenn Freunde den Halbwüchsigen zur Schwarzfahrt verleiten? Welcher Junge läßt sich gern Feigling nennen?

Über die rein technischen Qualifikationen der Jugend diskutieren ist müßig. Es ist wohl auch ungerecht, den Jugendlichen generell Hang zur Unvorsichtigkeit und zum Übermut zu attestieren, ein Blick auf die Verkehrsunfallstatistik sollte aber zu denken geben. Unfälle, die sich durch zu hohe Geschwindigkeit ereignen, werden sehr oft durch jüngere Fahrer verursacht.

Eine interessante Nachricht zur Sache kommt aus Bielefeld. Dort forderte Amtsgerichtsrat Helmut Ostermeyer, bei Bewerbern um den Führerschein der Klasse II das Mindestalter von 18 auf 21 heraufzusetzen. Der Jurist führt weiter aus, daß nach amerikanischen Statistiken verheiratete junge Menschen wesentlich weniger Unfälle verursachen als ledige Altersgenossen. Erklärung: Im gleichen Maße, wie die private Verantwortung wachse, erhöhe sich auch das Sicherheitsverhalten im Straßenverkehr.

Amtsgerichtsrat Ostermeyer ist der Ansicht, daß die Jugendlichen an Reaktionsvermögen den Erwachsenen überlegen sind, sieht darin aber kein Gegengewicht für jugendlichen Übermut und Risikofreudigkeit. Ostermeyer fragt auch, ob nicht zwanzigjährige Verkehrstäter nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen seien und hält die Berücksichtigung der geistigen und charakterlichen Entwicklung für unbedingt erforderlich.