Zum zweiten Male ist ein Kennedy das Opfer sinnloser Gewalt geworden. Den jüngeren Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten trafen die Schüsse, als er gerade seinen kalifornischen Vorwahl-Sieg verkündet hatte. Der Ballsaal des Ambassador-Hotels zu Los Angeles wird künftig in einem Atem mit dem Schulbuch-Lagerhaus von Dallas genannt werden.

Noch läßt sich nicht übersehen, wie das Attentat auf Robert Kennedy die Wahlszenerie der Vereinigten Staaten verändern mag. Auch steht völlig dahin, wie die amerikanische Nation innerlich mit diesem neuen Ausbruch der Gewaltsamkeit fertig werden soll. Abermals ist der blutige Beweis geführt worden, daß dicht unter dem Firnis der Zivilisation die Barbarei lauert – und nicht nur in Amerika. Auch anderswo droht die politische Auseinandersetzung in die Sphäre der Brutalität abzugleiten. Die Erinnerung an den Mordanschlag auf dem Kurfürstendamm, an die Straßenkämpfe und Saalschlachten dieses Frühjahrs sollte uns vor dem überheblichen Gedanken bewahren, daß wir hierzulande dagegen gefeit seien. Th. S.