Die gesetzlichen Bestimmungen über die Öffnungszeiten für Einzelhandelsgeschäfte werden von vielen Kaufleuten recht einseitig ausgelegt. Wer seinen Pfingsteinkauf im Vertrauen auf den „langen Samstag“ auf den Nachmittag verschob, mußte erleben, daß viele Geschäfte ihre Türen schon geschlossen hatten.

Ein solches Verhalten ist gegenüber dem Verbraucher, der auf die Kraft des Gesetzes vertraut, reine Willkür. Sie wird keineswegs nur in Ausnahmefällen angewandt, wie es der „lange Samstag“ vor zwei Feiertagen darstellen mag. Die Unsitte, das Geschäft zuzumachen, wann es beliebt, greift seit langem in Städten und Dörfern immer mehr um sich. Der gesetzlich geregelte Ladenschluß wird so immer mehr durchlöchert. Dabei waren es gerade die Verbände dieser Kaufleute, die sich seinerzeit laut und mit viel Nachdruck für die Ladenschlußregelung eingesetzt haben. Sie wissen auch heute die Vorzüge des Gesetzes zu rühmen, sobald es jemand wagt, offensichtliche Nachteile für den Verbraucher und willkürliche Auslegungen der Paragraphen zu kritisieren.

Der Verbraucher kann zumindest verlangen, daß ein Gesetz, welches seine Einkaufsmöglichkeiten einschränkt, von den Kaufleuten auch da eingehalten wird, wo es den Konsumenten einmal Vorteile bringt. ks