Pedro Ramirez Vazquez, Mittfünfziger, Brillenträger, untersetzte Gestalt, glattes schwarzes Haar, verheiratet, vier Kinder, übernahm 1965 die Präsidentschaft im Organisationskomitee für die XIX. Olympischen Spiele in Mexiko auf Vorschlag seines Vorgängers Mateos Lopez, der schwer erkrankte. Er besuchte die Universität seiner Geburtsstadt Mexico City bis 1943, wurde dann Professor für Architektur und Stadtplanung, war Mitarbeiter bei den Plänen für die medizinische Fakultät der Universität in Mexico City und erarbeitete vielbeachtete Richtlinien für die Ausweitung verschiedener Provinzstädte. Das Erziehungsministerium des Landes machte sich seine Vorstellungen über den Schulhausbau nach dem Baukastenprinzip in Mexiko zu eigen; das System wurde in verschiedenen Ländern, in Lateinamerika, Asien und auch Europa übernommen.

In der mexikanischen Hauptstadt entstanden nach einer Reihe von Supermärkten das Arbeitsministerium, das Nationale Institut zur Unterstützung der Kinder, das Außenministerium, die „National Gällery of History“, das Museum für Moderne Kunst, das anthropologische Museum und das Azteken-Stadion (105 000 Besucher) nach seinen Plänen. Dazu kamen die mexikanischen Pavillons bei den Weltausstellungen in Brüssel, Seattle und New York. In Belgien wurde Pedro Ramirez Vazquez mit dem Kronen-Orden Leopold II. ausgezeichnet. Er erhielt außerdem bei der XII. Mailänder Triennale den „Grand Prix“ für die Idee des Schulhausbaus nach dem Baukastenprinzip sowie „Grand Prix“ und Goldmedaille bei der VIII. Biennale in Sao Paulo für den grandiosen Entwurf des anthropologischen Museums in Mexico City.

Pedro Ramirez Vazquez war zuvor bereits Bauberater im Organisations-Komitee der Olympischen Spiele. Seinen energischen Interventionen bei dem Amerikaner Avery Brundage, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, war es zu danken, daß die Spiele im Oktober dieses Jahres ohne die Beteiligung Südafrikas, aber mit rund 120 Mannschaften stattfinden werden. Ramirez Vazquez behauptet von sich selbst, daß er nach Beendigung der Spiele wieder in seinen Beruf zurückkehren werde; es gibt in Mexiko allerdings Kreise, die ihm eine politische Zukunft voraussagen. Sein derzeitiges Hauptquartier ist das holzgetäfelte Arbeitszimmer seines früheren Konstruktionsbüros in der Avenida de la Fuentes in Mexico City.

„Herr Präsident, glauben Sie. daß Ihre Zusammenkunft in Chikago mit Avery Brundage der letzte Anstoß für das Treffen der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne war?“

„In Lausanne ist genau das geschehen, was wir zuvor in Chikago verlangt hatten. Nämlich das Treffen der IOC-Exekutive und die erneute Beratung des Südafrika-Problems und seiner Folgen.“

„Wenn es nicht zu dem Boykott der Afrikaner gekommen wäre und den Drohungen kommunistischer Länder, sich diesem anzuschließen, hätte man dann Südafrika eingeladen?“

„Ich habe bereits bei vielen Gelegenheiten versichert, daß ich niemals auf Grund von Annahmen handle. Ich werde erst konkret, wenn ich mich Tatsachen gegenübergestellt sehe. Ich bin kein Sandkastenspieler.“