Von Werner Höfer

Auf einem Fragebogen für Willy Brandt müßten in diesen Tagen links die parteipolitischen und rechts die außenpolitischen Fragen stehen. So interessant die linke Spalte geworden ist, so wichtig ist die rechte geblieben. Sie soll Vorfahrt haben:

„Wenn Sie Grund zur Melancholie haben, so könnten der Zustand der Partei, aber auch der Stillstand der Ostpolitik Anlaß dazu bieten

Ohne jedes melancholische Tremolo resümiert der Bundesaußenminister: „Wir haben in einem guten Jahr mehr erreicht, als die meisten wissen oder begreifen. Die Verbindung mit Rumänien und mit Jugoslawien wurde normalisiert. Ich stehe vor meinem Besuch in Belgrad, nachdem unser Botschafter seine Tätigkeit dort gerade aufgenommen hat. Wir haben, was von manchen gern bagatellisiert wird, Hilfskonstruktionen zwischen der Tschechoslowakei und der Bundesrepublik eingerichtet. Das sind zwar nur Handelsmissionen, aber sie sind mit konsularischen Befugnissen ausgestattet. Diese Ergebnisse unserer Ostpolitik sind nicht ohne Wirkung geblieben im Westen und in der Dritten Welt. Unsere Glaubwürdigkeit ist gestiegen. Wir sind nun einbezogen in einen Kontext gemeinsamen Denkens und Handelns.“

„Diesen Fortschritten fehlt aber die Fortsetzung in Richtung Moskau, Warschau, Ostberlin.“

„Was Moskau angeht, so standen wir im letzten Jahr am Beginn eines deutsch-sowjetischen Dialogs, dem ersten entschiedenen Versuch seit 1955. Es gibt von diesem Punkt an keine kontinuierliche Linie. Es kann sie aber geben. Auf dem Tisch liegt das deutsche Angebot eines vereinbarten Gewaltverzichts mit jedem einzelnen Mitglied des Warschauer Pakts ...“